Umweltindex Druck
Grün ist nicht gleich Grün

Von den achttausend in Deutschland noch existierenden Druckunternehmen arbeiten gerade einmal zwanzig seriös und nachweisbar umweltgerecht. Was unterscheidet sie von den vielen Greenwashern der Branche? Welche Kriterien sind für die Wahl einer umweltfreundlichen Druckerei wirklich wichtig? Der Umwelt Index Druck (UmDEX) hilft bei der Wahl korrekt zertifizierter und umweltfreundlich produzierender Druckereien.

Bildquelle Magazin Medien

In der Farbenlehre wird Grün als die Farbe der Mitte bezeichnet. In ihrer vollendeten Neutralität zwischen allen Extremen wirkt sie beruhigend. Grün charakterisiert Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Toleranz und Zufriedenheit. Mit ihr werden außerdem Erneuerung, Frieden und Hoffnung assoziiert.

Aber aufgepasst! Grün ist nicht gleich Grün

Grüne Früchte können unreif, sauer, bitter und manchmal beim Verzehr auch tödlich sein, wie etwa die süßen Früchte des Strandapfelbaums, die essbaren grünen Äpfeln zum Verwechseln ähnlich sehen. Darum war es für die Menschheit lebenswichtig, den vielen in der Natur vorkommenden Grüntönen mit Skepsis zu begegnen.Womit wir schon mitten im Thema sind.

Wann ist eine grüne Druckerei wirklich umweltgerecht?

Gibt man im Internet Begriffe wie grün drucken, umweltfreundlich drucken, ökologisch drucken, klimaneutral drucken oder nachhaltig drucken ein, tauchen eine Vielzahl von Druckereien auf, die mindestens das eine oder andere der vorgenannten Schlagworte in ihrer Headline führen. Verantwortungsbewusste Drucksacheneinkäufer stehen immer wieder vor der entscheidenden Frage: Welche Druckerei produziert wirklich umweltschonend und nachhaltig?

Die richtige Antwort zu finden, ist aufgrund steigender Umweltvernichtung schwierig, denn je mehr die Nachfrage nach ökologisch verträglichen Produkten und Dienstleistungen steigt, umso mehr dieser umweltbewusste Markt wächst, desto begehrter wird die Teilhabe daran. Kein Wunder also, dass Druckereien alles tun, um sich ein möglichst grünes Image zu verschaffen. Häufig werden dabei oberflächliche „ökologische Maßnahmen“ als echter Umweltschutz verkauft. Greenwashing ist somit weit verbreitet und oft nicht einfach zu erkennen. Suggestive Formulierungen wie „wir drucken auf Recyclingpapier mit dem Blauen Engel“ werden  gezielt von Greenwashern verwendet, obwohl sie nicht mit dem Blauen Engel zertifiziert sind.

Auch Labels wie FSC, PEFC oder KLIMANEUTRAL GEDRUCKT finden sich mittlerweile auf den Homepages der allermeisten Druckereien. Sie allein sind jedoch ebenfalls  kein handfestes Indiz für nachhaltige Umweltleistungen eines Unternehmens.

Anders verhält es sich mit Zertifikaten für systematisches Umweltmanagement wie EMAS, DIN ISO 14001:2015, DIN ISO 50001:2015, Blauer Engel RAL UZ-195, EU ECO-Label Richtlinie 028 Druckerzeugnisse oder das Österreichisches  Umweltzeichen.

Druckereien, die mit diesen Labels zertifiziert sind, verfolgen an ihrem Produktionsstandort einen ganzheitlichen Ansatz, der alle ökologischen Aspekte der Druckproduktion berücksichtigt. Umweltbelastungen, Ressourcenschonung und Treibhausemissionen werden hier nicht durch suggestive Formulierungen grün gewaschen sondern von Anfang an aktiv und gezielt vermieden. Dafür werden die wesentlichen produktionsabhängigen Umweltaspekte systematisch analysiert und in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess fortlaufend optimiert.

Nur UmDEX-Druckereien produzieren umweltgerecht

Im Folgenden werden  die gängigen Siegel und Zertifikate der Druckbranche erklärt. Im Umwelt Index Druck (UmDEX) erfolgt dann die Bewertung der gesamten Umweltleistungen eines Unternehmens, und macht es somit Drucksacheneinkäufern in Zukunft leichter, verantwortungsbewusste ökologische Druckdienstleister von den vielen Grünwäschern der Branche zu unterscheiden.

Der UmDEX zeigt das große Ganze. Der Mix aus offiziellen Umweltlabels und weiteren Maßnahmen im Umweltschutz ist mehr als die Summe seiner Teile. Auch ist zu unterschieden, ob Labels mit offiziellen und verifizierbaren Seriennummern versehen sind oder einfach nur als Logos abgebildet werden.

Erst bei dieser genaueren Betrachtung wird deutlich, dass das Prädikat Nachhaltiger Druckdienstleister im deutschsprachigen Raum auf kaum mehr als 20 Druckereien zutrifft. Werfen wir einen Blick auf die Details:

Klimaneutral gedruckt bedeutet nicht immer klimaneutrales Drucken

Eine Druckerei, die klimaneutrale Produkte anbietet, ermittelt in drei sogenannten Scopes ihren CO2-Fußabdruck:

Scope 1-Emissionen stammen aus Emissionsquellen innerhalb des Unternehmens, etwa durch ein Blockheizkraftwerk oder unternehmenseigene Fahrzeugflotten.

Scope 2-Emissionen entstehen bei der Erzeugung von Energie (Strom und Wärme), die von außerhalb bezogen wird.

Scope 3-Emissionen sind sämtliche übrigen Emissionen, die durch die Unternehmenstätigkeit verursacht werden aber nicht unter der Kontrolle des Unternehmens stehen, zum Beispiel bei Zulieferern, Dienstleistern oder Mitarbeitern.

Aus der Betrachtung all dieser Quellen wird von Gutachter wie climate partner, natureOffice, myclimate, Swiss Climate oder CO2 Klimainitiative des BVDM ein individuelles Emissionsprofil ermittelt. Dies dient als Grundlage für Berechnung der Co2-Emission und der Kosten für Kompensierungszertifikate mittels eines  sogenannten CO2-Rechners. Druckereien können sich entscheiden, ob sie auf Kundenwunsch die Emissionen eines einzelnen Druckprodukts kompensieren wollen oder ihre jährliche gesamte Produktion klimaneutral stellen. Jeder Druckauftrag erhält anschließend zusammen mit dem Label eine unverwechselbare ID-Nummer und lässt sich so auch über Jahre hinaus zurückverfolgen.

Vermeiden, Vermindern, Kompensieren

Ob – im Sinne des Grundsatzes Vermeiden, Vermindern, Kompensieren – weitere grundsätzliche Maßnahmen für ökologische Printproduktion, wie ein Umweltmanagementsystem, Wärmerückgewinnung, entsprechende Gebäudemaßnahmen, Photovoltaik, solare Wasseraufbereitung, alkoholfreier Druckprozess, Nutzung von Ökostrom, energiesparende Logistik,  im Unternehmen implementiert sind, lassen sich anhand des Labels und der ID-Nummer nicht feststellen. Deshalb wird dieses Zertifikat als alleiniges Merkmal von Greenwashern gerne benutzt, um sich als umweltfreundliches Unternehmen darzustellen.

FSC-Label

FSC® ist kein Umweltzertifikat sondern ein Label der Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody)

FSC®, der Forest Stewardship Council®, ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das erste und momentan  seriöseste System zur Zertifizierung verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung schuf. Gleichzeitig wird das Akronym FSC® auch für das Gütesiegel benutzt, mit welchem Holzprodukte als Erzeugnisse aus FSC® zertifiziertem Holz gekennzeichnet werden.

Papier aus FSC® zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Logo und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind für die Kennzeichnung eines Druckprodukts benutzt werden. Die Zertifizierung für Druckereien besteht in einer gründlichen Überprüfung des mengenmäßigen Einsatzes von FSC® – zertifizierten Papieren vor Ort, das heißt: Im Zuge der Zertifizierung wird anhand von Lieferscheinen und Rechnungen kontrolliert, ob die Ein- und Verkaufsmengen von FSC® deklariertem Papier  übereinstimmen. Das Logo kann dann auf dem Produkt mitgedruckt werden. Das mitgedruckte Label muss unbedingt die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten. Die Nutzung des Labels gibt jedoch keine Auskunft über weitere nachhaltige Maßnahmen einer Druckerei.

PEFC-Label

PEFC® ist kein Umweltzertifikat  sondern ein Label der Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody

PEFC ist ein Zertifikat der europäischen Holzwirtschaft und dokumentiert zum einen die nachhaltige Waldbewirtschaftung durch die Waldbauern, andererseits garantiert das PEFC-Siegel eine kontrollierte Verarbeitungskette (Chain of Custody). Papier aus PEFC  zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Siegel und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind, als solches angeboten und verarbeitet werden.

Die Zertifizierung erfolgt wie bei FSC® durch die Überprüfung der Ein-und Verkaufsmengen. Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere natürlich verarbeiten, jedoch ohne Label-Kennzeichnung. Das mitgedruckte Label muss ebenfalls die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten. Die Nutzung des Labels gibt jedoch keine Auskunft über weitere nachhaltige Maßnahmen einer Druckerei.

Label: Blauer Engel

Blauer Engel – ein umfassendes Umweltzertifikat für Produkte und Dienstleistungen

Dieses Siegel kennzeichnet im Allgemeinen besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen. Recyclingpapiere, die mit diesem Siegel ausgezeichnet sind, gibt es seit Ende der 1970er Jahre auf dem Markt. Jede Druckerei kann diese Papiere verarbeiten. Viele Unternehmen verweisen auf ihren Websites unter Nutzung des Logos Blauer Engel darauf, dass bei ihnen Druckprodukte unter Verwendung dieser zertifizierten Papiere hergestellt werden.

Leider führt diese Verwendung des Blauer Engel-Labels oft zu Verwirrungen,

denn es suggeriert fälschlicherweise, dass das Druckprodukt unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt wurde, obwohl oft nur zertifiziertes Papier verwendet worden ist. Um solche Verwechslungen auszuschließen und eindeutig Klarheit zu schaffen, wurde im Jahr 2015 von der RAL gGmbH das  Zertifizierungsverfahren RAL UZ-195 eingeführt, das es Druckereien und ihren Kunden ermöglicht ein gesamtes Druckprodukt als Blauer Engel Druckerzeugnis zu kommunizieren.

Hierfür wurden bestimmte nachhaltige Kriterien festgelegt:

  • Das Druckprodukt muss in seiner Gesamtheit überwiegend aus Papier oder Karton bestehen.
  • Die eingesetzten Papiere und Kartons müssen überwiegend aus Recyclingfasern hergestellt sein.
  • Nachwachsende Rohstoffe, z. B. in Farben, dürfen nicht gentechnisch verändert sein.
  • Klebstoffe, Farben, usw. müssen unbedenklich gegenüber Umwelt und Gesundheit sein.
  • Das Produkt muss recycelbar & deinkbar sein.
  • Die Druckerei muss auch als Betrieb bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie Druckprodukte mit dem Blauen Engel auszeichnen darf. Dazu gehört ein im Produktionsablauf implementiertes und zertifiziertes Umweltschutz-Management-System, wie etwa EMAS oder 14001.
  • Außerdem werden nachweisbare Modifizierungen der Druckmaschinen zum Nachweis des alkoholfreien Druckprozesses gefordert sowie ein Energie-Managementsystem nach ISO 5001.
  • Zusätzlich werden Unbedenklichkeitserklärungen für benutze Klebstoffe, Heftklammern, Druckhilfsmittel und Farben verlangt.
  • Ebenfalls wird die Bereitstellung diverser Kennzahlen zur Überprüfung des Energieverbrauchs, des Papierabfalls und
  • weiterer quantifizierter Umweltziele sowie der notwendigen technischen Anlagen gefordert.

Sind alle diese Kriterien erfüllt, erhält die Druckerei das Zertifikat, das sowohl auf der Website als auch auf Druckprodukten verwendet werden darf. Das Blauer Engel Zertifikat erhält dann im Label das Suffix blauer-engel.de/UZ-195 sowie die individuelle Zertifizierungsnummer der Druckerei. Nur eine solche Druckerei, ist eine entsprechend zertifiziert. Unternehmen, die auf ihrer Homepage lediglich das Label ohne Zertifikat verwenden, sind nicht zertifiziert und dürfen ihre Druckerzeugnisse nicht damit auszeichnen!

EU-Ecolabel

ECO-Label–  die Richtlinie der Europäischen Union für Druckprodukte

Die entsprechende EU-Richtlinie Nr. 028 „Druckerzeugnisse“ fordert bei Produktionsmaterialien wie Papier, Farbe und Druckhilfsmitteln hohe Standards. Auch. betriebliche Handlungsfelder wie Abfallmanagement, Energieeffizienz und Mitarbeiterschulungen sind dabei von zentraler Bedeutung. Das  Umweltzeichen mit Textfeld enthält den folgenden Wortlaut: „Dieses Druckerzeugnis ist wiederverwertbar. Es wurde auf umweltfreundlichem Papier gedruckt. Die Menge der durch die Papierherstellung und das Bedrucken in Luft und Wasser abgegebenen Chemikalien ist begrenzt“.

Der Betrieb hat im Zuge einer Jahresmeldung entsprechende Nachweise vorzulegen: Eine VOC-Bilanz, ein Abfallwirtschaftskonzept sowie Aufzeichnungen über Papier- und sonstige Abfälle. Die Jahresmeldungen werden von unabhängigen Gutachtern überprüft.

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Ökoprofit – ein Ökologisches Projekt für integrierte Umwelt-Technik

Das Projekt wurde in den 1990 an der TU Graz In Österreich entwickelt und verbreitete sich bald international. Dahinter verbirgt sich ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft. Ziel ist eine Betriebskostensenkung unter gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen. Produzierende Unternehmen, Dienstleister, Sozialeinrichtungen und Handwerksbetriebe können daran teilnehmen.

Wichtige Bausteine des Konzeptes sind gemeinsame Workshops der teilnehmenden Betriebe, in denen die Inhalte des Projekts durch externe Berater vermittelt werden. Nach einer einjährigen Projektdauer werden die Betriebe anhand eines Kriterienkatalogs geprüft und von der Kommune für ihre Umweltleistungen ausgezeichnet. Zu den wichtigen Kriterien gehören

  • die Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes,
  • ein skizziertes betriebliches Umweltprogramm sowie
  • die Verwendung von Kennzahlen zur Umweltleistung.

Im Grunde kann dieses Ökoprofit-Basisprogramm den Unternehmen dazu dienen, sich auf die spätere Zertifizierung nach ISO 14001:2015 vorzubereiten.

Anders als bei anderen Umweltmanagementansätzen, die in der Regel auf das Einzelunternehmen ausgerichtet sind, zielt Ökoprofit auf die Bildung eines lokalen kommunalen Netzwerks zum Umweltschutz ab. Nach einem Jahr im Basisprogramm treten viele Betriebe einem Club bei, wo sie sich in regelmäßigen Workshops austauschen und über neue Entwicklungen im Umweltrecht und in relevanten organisatorischen und technischen Neuheiten informiert werden.

Leider ist dieses Projekt nicht in allen deutschen Bundesländern vertreten, da sich viele deutsche Kommunen nicht daran beteiligen. Schwerpunkte des Projekts sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg.

Österreichisches Umweltzeichen

Das Österreichische Umweltzeichen – ein Zertifikat für Produkte und Dienstleistungen

Dieses Zertifikat ist, wie ÖKO-PROFIT, eine Vereinbarung zwischen Politik und Wirtschaft. Dabei wird der „Lebenszyklus-Ansatz“ angewendet. Betrachtet werden hier die Umweltauswirkungen bei Gebrauch, Herstellung und Entsorgung. Die Grundlage für die Zertifizierung eines Produktes/Dienstleistung bilden Richtlinien mit verbindlichen Kriterien. Betrachtet werden dabei die Umweltauswirkungen beim Gebrauch, Herstellung und der Entsorgung. Ebenso der Rohstoff- und Energieverbrauch, Toxizität der Inhaltsstoffe, Emissionen (Abgase, Abwasser, Lärm, …), Abfälle und Recyclingfähigkeit, Verpackung, Vertrieb und Transport. Zudem werden Qualität und Gebrauchstauglichkeit sowie Sicherheit, Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit geprüft. Nach Abschluss des Zertifizierungsprozesseses beschließt der „Beirat Umweltzeichen“ die Veröffentlichung durch das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.

ISO 14001-Label

DIN ISO 14001:2015 – Ein Prozess der Verbesserung für Umweltleistungen

Eine Reihe von DIN ISO-Normen helfen einem Unternehmen sein Management in unterschiedlichen Bereichen wie etwa Umweltschutz, Energieeffizienz und Produktqualität zu verbessern und zu sichern. Die internationale Norm DIN ISO 14001:2015 legt hierbei hohe Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest. Diese beinhaltet zahlreiche weitere Normen zu verschiedenen Bereichen des Umweltmanagements, unter anderem zu Ökobuilanzen, zu Umweltkennzahlen, bzw. zur Umweltleistungsbewertung.

Sie kann sowohl auf produzierende als auch auf dienstleistende Unternehmen angewendet werden. Vorgeschrieben wird hier auch die ständige Aktualisierung des Umweltrechtsregisters sowie die innerbetriebliche Aktualisierung und Kommunikation der Umweltleistungen durch periodisch abzuhaltende innerbetriebliche Audits. Die Einhaltung der Norm unterliegt einer periodischen Prüfung durch unabhängige Gutachter.

Der Fokus dieses Systems liegt in der Praxis auf der Optimierung des Managements bezüglich der Produktionsoptimierung und Abfallvermeidung, weniger auf zukunftsorientierten Entwicklungsmöglichkeiten.

Zu beachten ist hierbei, dass dieses Zertifikat ein Standortzertifikat ist. Es ist kein Umwelt-Gütesiegel für ein Druckprodukt sondern bestätigt den nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens.

 

EMAS-Label

EMAS – Das anspruchsvolle Öko-Audit-System der Europäischen Union

EMAS ist weltweit das anspruchsvollste System für nachhaltiges Umweltmanagement Es beinhaltet automatisch die ISO-Norm 14001:2025. Organisationen jeder Art werden mit dem EU-Label ausgezeichnet, wenn sie die strengen Anforderungen der EMAS-Verordnung erfüllen.

EMAS-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Management-Systems. Über ihre selbst gesteckten Umweltziele und deren Umsetzung berichten sie in der jährlichen EMAS-Umwelterklärung. In dieser Umwelterklärung werden alle innerbetrieblichen umwelttechnisch relevanten Kennzahlen der jeweiligen Produktionsabläufe dokumentiert, ebenso die jeweiligen erreichten und zukünftigen Umweltziele bewertet.

Da diese Erklärung öffentlich zugänglich sein muss und von staatlich beaufsichtigten, unabhängigen Umweltgutachter/innen, z.B. TÜV, jährlich validiert wird, schafft sie eine hohe Transparenz, denn die Umweltbeauftragten kontrollieren ebenfalls, ob EMAS in der Praxis richtig umgesetzt wird und bestätigen, dass die EMAS-Organisationen alle Umweltvorschriften einhalten (Legal Compliance).

Geprüfte und validierte Druckereien erhalten ein Zertifikat mit der Identifikationsnummer des Unternehmens.

Das Zertifikat beinhaltet eine jährliche innerbetriebliche Revalidierung, die mittels der Umwelterklärung veröffentlicht und von externen Gutachtern überprüft wird. Das Zertifikat ist je nach Betriebsgröße ein oder zwei Jahre gültig. Nach Ablauf dieser Frist muss es erneut von externen Gutachtern validiert werden.

Zu beachten ist hierbei, dass dieses Zertifikat lediglich ein Standortzertifikat ist. Es ist leider kein Umwelt-Gütesiegel für ein Druckprodukt sondern bestätigt lediglich einen starken nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens.

Aufgrund der geforderten Transparenz, die dieses Umweltsiegel schafft, ist davon auszugehen, dass die in zertifizierten Druckereien produzierten Druckprodukte sehr hohen Umweltstandards entsprechen.

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Gemeinwohl-Ökonomie – Ein zertifiziertes ethisches Wirtschaftssystem

Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten wie Fairness, Nachhaltigkeit und Basisdemokratie aufbaut. Damit wird die Gemeinwohl-Ökonomie zu einem betrieblichen Mechanismus der Veränderung auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene:

  • Auf wirtschaftlicher Ebene beruhen der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung des Unternehmenserfolgs auf der Umsetzung bestimmter am Gemeinwohl orientierter ethischer Werte.
  • Auf politischer Ebene will die Gemeinwohl-Ökonomie rechtliche Veränderung bewirken, wie z. B. besondere Steuererleichterungen für Unternehmen deren Wirtschaftsweise dem Gemeinwohl dient oder einer bevorzugten Berücksichtigung zertifizierter Unternehmen bei staatlichen und behördlichen Ausschreibungsverfahren.
  • Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine Initiative zur Bewusstseinsbildung für einen Systemwandel, beruhend auf dem gemeinsamen, wertschätzenden, solidarischen Tun möglichst vieler Unternehmen: z. B. Bestandssicherung statt permanentem Wachstum, gemeinsames Handeln statt Konkurrenz.

Ein Unternehmen, das sich nach den Werten der Gemeinwohlökonomie zertifizieren lässt, bilanziert seine Umweltleistung mittels eines geprüften Managementsystems. Es beschreibt zusätzlich demokratische wie auch menschenwürdige Strukturen im Betrieb und veröffentlicht das Verhältnis der Einkommensstruktur zwischen Eigentümern, Geschäftsführern, Angestellten und allen weiteren Mitarbeitern.

Durch ein Punktesystem werden innerbetriebliche Standards wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, Mitentscheidung und Einkommensspreizung

bewertet. Diese Bewertung erfolgt durch unabhängige Gutachter. Ab einer bestimmten erreichten  Punktezahl erhält das Unternehmen ein Zertifikat. Die Zertifizierung ist auf zwei Jahre befristet und muss dann erneut validiert werden.

Im Unterschied zu ISO 14001/2015 und EMAS verlangt die Gemeinwohlökonomie zusätzlich, dass nicht nur die Umweltleistungen der jeweiligen Lieferanten und Dienstleister des Unternehmens durch Selbstauskunft eingefordert werden sondern ebenso auch entsprechende Nachweise zu den Werten Menschenwürde, Lohnstruktur, Solidarität, Transparenz und Mitentscheidung.

Ein Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet im besten Sinne nachhaltig, da es nicht nur Umweltleistungen standardisiert sondern ebenso auf die Gemeinschaft orientiertes menschliches und unternehmerisches Handeln fördert.

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Cradle to Cradle – ein philosophischer Ansatz konsequenter Kreislaufwirtschaft

Cradle to Cradle (C2C) bedeutet sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“. Es ist ein Ansatz für eine konsequente Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel, den Idealfall des Recyclings zu erreichen: Alle eingesetzten Rohstoffe bzw. Bauteile sollen am Ende des Lebenszyklus eines Produkts wieder vollständig und gleichwertig in den Produktionsprozess zurückgeführt werden können. Entwickelt wurde dieses philosophische Prinzip Ende der 1990er Jahre von dem deutschen Chemiker Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough. „Cradle-to-Cradle-Produkte sollen demnach entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden. Eine „C2C-Zertifizierung (Cradle-to-cradle certified-Produktstandard) wird seit 2010 vom Non Profit-Institut Cradle to Cradle Products Innovation Institute mit Sitz in San Francisco (USA) verliehen. Bewertet werden fünf Kriterien: Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, Einsatz erneuerbarer Energien, verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser sowie soziale Gerechtigkeit. Es werden fünf Zertifizierungsgrade vergeben: Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin. Das vergebene Siegel muss alle zwei Jahre erneuert werden.

Kritisch zu betrachten ist hier jedoch, dass das Prinzip der Zirkularität, wonach Produkte und Materialien so lange wie möglich zu verwenden sind, ohne dass sie ihren Wert verlieren, bei vielen allgemein eher kurzlebigen Druckprodukten kaum umsetzbar ist.

Weitere Siegel und wichtige Umweltleistungen

Erst die Summe aller Siegel und Labels kann Aufschluss darüber geben, wie umfassend nachhaltig die Umweltleistung des jeweiligen Unternehmens ist. Weitere Labels wie DIN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), DIN ISO 5001 (Energiemanagement),  DIN ISO 12647 (Prozessstandard Offset) werden im UmDEX-Score erklärt. Entscheidend ist dabei auch, wie verantwortungsbewusst die Mitarbeiter einer Druckerei die Umsetzung der zertifizierten Maßnahmen befolgen. Denn eines ist klar:

Ein Zertifikat ist nur so gut wie die Zertifizierenden und die Zertifizierten damit verfahren!

Daneben gibt es jedoch noch eine Vielzahl von umweltfreundlichen Leistungen, die nicht über Zertifikate oder Labels dargestellt werden können, wie z. B.

  • Alkoholfreies Drucken,
  • UV-loser Druckprozess,
  • prozesslose Druckplattenherstellung
  • spezielle Maßnahmen zur Emissionsvermeidung,
  • umweltfreundliche, ressourcenschonende Gebäudeplanung und –Ausstattung
  • eigene Energieerzeugung
  • Öko-Strom
  • umweltfreundliche Lieferlogistik.

Im UmDEX-Score werden darum sämtliche nicht zertifizierten produktionsspezifischen und außerfachlichen Kompetenzen eines Unternehmens zusammen mit den branchenüblichen Zertifikaten, Siegeln und Labeln des Unternehmens mittels eines Punktesystems addiert und gemäß den Leistungen entsprechend gewichtet.

Das schafft Transparenz und erleichtert die Suche nach einer grünen, umweltgerechten, ökologischen und nachhaltigen Druckerei – und der UmDEX-Score  hilft, die grüngewaschene Spreu vom grünen Weizen zu trennen.

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Guido Rochus Schmidt

Guido Rochus Schmidt

Umweltexperte u. Autor

Guido Rochus Schmidt war von 1979 bis 2013 Geschäftsführer der Ulenspiegel Druck GmbH, einer der bis heute ökologischsten Druckereien Europas, seit 1999 mit EMAS zertifiziert. Als Umweltexperte betreute er von 1999 bis 2017 die ökologische Fortentwicklung des Unternehmens. Seit 2017 berät der Experte Unternehmen bei allen Fragen der Nachhaltigen Medienproduktion.

Fokus

Two Sides
Ein nach wie vor kontrovers diskutiertes Thema ist die Umweltgerechtigkeit von Papier. Two Sides klärt die Öffentlichkeit mittels Studien und Fakten auf. Ein Interview mit Managing Partnerin bei Two Sides, Anne-Katrin Kohlmorgen.
Klimakiller Internet:
Digitale Medien, so dachten bislang viele, sind grundsätzlich umweltfreundlicher als gedruckte. Der Umweltexperte Guido Rochus Schmidt hat recherchiert und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
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