Umweltlabel für Druckereien
Was ist eigentlich das No-Label?

Immer mehr Drucksachenempfänger schauen sich Prints genauer an, wissen sie doch, dass gerade das, was man nicht sieht, am deutlichsten zu erkennen ist. No-Label-Prints könnten sich deshalb schnell als gefährlicher Bumerang erweisen.

No-Label, Umweltlabel
Fotokollage der Agentur Soulofcontent (GPG GmbH)

Immer mehr Empfängern fällt beim Sondieren von Drucksachen auf, wenn da etwas fehlt. Wissen sie doch, dass gerade das, was man nicht sieht, am deutlichsten zu erkennen ist: Fehlende Umweltlabels auf Drucksachen!

Mit auf der Drucksache platzierten Labels belegen Käufer und zumeist dann auch Absender von Print, ihre Drucksachen umweltschonend und verantwortungsvoll hergestellt zu haben. Mittlerweile können sich nicht gelabelte Drucksachen als

No-Label-Prints schnell als gefährlicher Bumerang erweisen.

Nicht sichtbar und doch deutlich erkennbar

Einige Unternehmen sind so auf Schnäppchen fixiert, dass sie eine wichtige Kleinigkeit glatt entgeht: Auf nicht gelabelten Drucksachen (No-Label-Print) wird das Verhalten, nämlich die eigene Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft für einige Euros geopfert zu haben, schwarz auf weiß sichtbar, da dann nichts sichtbar ist.

Doch gerade auf Botschaften, mit denen wir unsere Kunden überzeugen wollen, können wir dieses Geständnis am wenigsten brauchen.

Welcher Absender von Print will schon derart wahrgenommen werden?

Ein Agenturleiter aus Hamburg erklärte es so: „Wenn ich nur billig und dann auf Kosten der Umwelt nach dem Geiz-ist-Geil-Prinzip kaufen würde, wäre dies ein Offenbarungseid für uns – unser Image würde schnell Schaden nehmen“.

Tatsächlich achten mittlerweile immer mehr Kunden auf Umwelt-Labels. Mit zunehmender Sensibilität gegenüber Fake-Labels von Greenwashern. Dafür sorgen auch Initiativen von bekannten Unternehmen oder Discountern, die ihre Drucksachen oft sogar mit mehreren Umweltlabels versehen, zum Beispiel mit dem FSC, dem Blauen Engel oder anderen hochwertigen Auszeichnungen.

Schon deshalb gilt mehr denn je:

Das No-Label auf unseren Drucksachen fällt auf.

War dem Absender der Umweltschutz egal? Hat das Unternehmen nur auf Billigkeit geachtet? Sind dann auch seine Dienstleistungen von einem gewissen Egoismus geprägt? Möchte ich so ein Unternehmen beauftragen?

Beim Einkauf von Drucksachen bietet sich mittlerweile die Möglichkeit, sehr nachhaltig zu bestellen und durch den Aufdruck hochwertiger Umweltlabels direkt auf der Drucksache ein Statement in puncto Nachhaltigkeit und Verantwortung abzugeben.

Aber Vorsicht: Legal sind Abbildung hochwertiger Umweltlabels nur bei echten, zertifizierten Ökodruckereien.

Das Ende des Etikettenschwindels von Greenwashern

Noch finden sich in der Druckbranche etwa ebenso viele Greenwasher und Fake-Labels wie belanglose Biolabels auf Lebensmitteln. Mittlerweile wird es für solche Faker und Greenwasher schwieriger. Konsumenten geben sich nicht mehr damit zufrieden, ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Sie wollen real etwas beitragen, hochwertige Ware einkaufen oder, wie bei Print, Verantwortung durch hochwertige Aufdrucke auf den eigenen Drucksachen nachweisen, denn in den letzten Jahren hat sich unsere Welt verändert:

Viele Menschen werden gerade selbst Zeuge dramatischer Veränderungen des heimischen Klimas, von Hitzerekorden, unvorstellbaren, historischen Waldbränden oder Staubstürmen, hier bei uns in Deutschland. Szenen, die sich also direkt in unserem Lebensumfeld ereignet haben. Wir sehen die beharrlichen Proteste der nächsten Generation, die unvermindert andauern: Die jungen Fridays-for-Future-Demonstranten fordern laut und deutlich ein Mitspracherecht – ich meine zu recht. Schließlich hat besonders auch die Coronakrise gezeigt, wie wichtig Verantwortung jedes Einzelnen ist und welche Folgen Egoismen einzelner haben können.

Der Klimawandel ist eine Coronakrise in Zeitlupe, die sich rasch beschleunigt.

Verbraucher und Unternehmen wurden sensibilisiert, um nicht zu sagen: wachgerüttelt. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind kein schicker Trend mehr, sondern ein echtes Bedürfnis. Damit neigt sich auch die Ära unseriöser grünen Fake-Etiketten dem Ende entgegen.

Greenwasher in der Druckbranche produzieren häufig nicht selbst, sondern sind nur Dealer von Drucksachen, die dann an verschiedene echte Druckereien vermittelt werden. Das ist kritisch. Drucksacheneinkäufer erfahren nicht, wo und wie und ob tatsächlich so nachhaltig produziert wird, wie angekündigt. Keine Transparenz also, doch ohne, ist Umweltschutz eine Farce.

Echten Umweltschutz gibt es nur bei echten Umweltdruckereien

Wer Print bei Greenwashern kauft, kann davon ausgehen, dass kein hochwertiges, international anerkanntes Label, eines der echten Top-Kriterien für die Nachhaltige Medienproduktion wie der Blauen Engel, EMAS, DIN ISO 14001, das EU Ecolabel oder das Österreichische Umweltzeichen auf seiner Drucksache platziert werden kann.

Da Greenwasher nicht zertifiziert sind, wären solche Kennzeichnungen illegal.

Was Einkäufern von Print bei Greenwashern bleibt, ist allenfalls der Hinweis, dass auf Recyclingpapier gedruckt wurde. Dabei ist das Bedrucken von Recyclingpapier eine Dienstleistung, die jede Druckerei in Deutschland anbietet.

Ein Druck auf Recyclingpapier und die von Greenwashern gerne erwähnte Kompensation von unvermeidlichen CO2-Emissionen beim Druckprozess (durch Förderungen von Klimaschutzprojekten) sind

gute, aber keine besonders außergewöhnlichen Leistungen und begründen noch keine Nachhaltige Medienproduktion.

Was Greenwasher als außergewöhnliches Engagement für den Umweltschutz recht aufdringlich vermarkten, ist also für die meisten Druckereien derart selbstverständlich, dass zumeist nur beiläufig damit geworben wird.

Echte Ökoprinter sind nicht nur nach wenigstens einem der vorgenannten Top-Labels zertifiziert und werden jährlich auditiert. Sie erstellen auch Umweltberichte und legen ihre Umweltschutz- oder Energiesparmaßnahmen offen. Für echte, quasi amtlich verifizierte Umweltdrucker amortisieren sich dieser teils erheblichen Investitionen in den Umweltschutz erst nach Jahren.

Für Drucksacheneinkäufer, macht sich ein hochwertiges Label auf der Drucksache sofort bezahlt, auch wenn echte Nachhaltigkeit zumeist etwas mehr Geld kostet. Greenwasher können ihre Drucksachen günstiger anbieten, denn sie sparen sich viel Zeit und Geld für Auditierungen, Nachhaltigkeitsberichte oder ein aufwändiges Umweltmanagement – also gerade dort, wo Umweltschutz vor allem greift, nämlich in sämtlichen betrieblichen Abläufen rund um den Herstellungsprozess.

Wer solchen falschen Öko-Propheten auf dem Leim geht, läuft Gefahr, sich zu blamieren, denn Dumpingpreis-Ökoprints sind eine Mär.

Kein hochwertiges Image zum Discountpreis

Echte umweltfreundliche Medien haben ihren Preis, genauso wie hochwertige Biolebensmittel etwas mehr kosten. Einkäufer von Drucksachen sind teils noch überzeugt, dass im Einkauf der Gewinn liegt. Ein Print-Schnäppchen, ersetzt dann „gefühlt“ den Erfolg, der eigentlich durch die Drucksachen selbst erreicht werden soll.

Nehmen wir zum Beispiel ein Prospekt für hochwertige Tischlerarbeiten. Für den Einkäufer der Drucksachen ist es ein Leichtes, den ultimativen Preishammer in einem der zahllosen Onlineshops für Drucksachen zu finden.

Discountprint vom Grabbeltisch ist nur wenige Klicks entfernt und kommt next Day!

Die Power einer Drucksache entsteht insbesondere durch eine besondere Haptik (Stroh-, Gras-, Hanf-, Baumwoll- oder sonstige umweltschonenden Sorten). Vor allem durch zusätzliche Qualitätsmerkmale wie Nachweise zum umweltgerechten und verantwortungsvollen Druck. Ein EMAS- oder Blauer-Engel (RAL UZ 195)-Label auf der Drucksache demonstriert Verantwortung. Nur hochwertige, glaubwürdige Umweltlabels schaffen Vertrauen und grenzen Unternehmen positiv ab.

Solche Signale von Verantwortung und Nachhaltigkeit auf einer Werbedrucksache liefern ein gewichtiges Argument zum Kauf. Schon ein bis zwei Prozent mehr Rücklauf können über den Erfolg einer Werbekampagne entscheiden. Die richtige Frage ist also:

Was soll die Drucksache erreichen? Nicht: Wo können wir sie am günstigsten beziehen?

Der Umwelt zuliebe digital?

Wie steht es mit digitalen Medien als Ersatz für analoge? Schon vor Jahren wurden Aussagen, dass digitale Medien besonders umweltfreundlich sind, als Mythos erkannt: Endgeräte wie Smartphones oder Tablets müssen unter großem Energie- und Ressourcenaufwand hergestellt und als Elektroschrott auch wieder entsorgt werden. Hinzu addieren sich die Stromverbräuche sowohl für die Geräte als auch bei den Internetdiensten wie Suchmaschinen, Clouds, bei den Serverfarmen oder den Providern. Der Co2-Fußabdruck für digitaler Medien ist also keineswegs optimal.

Dennoch: Digitale Medien sind integraler Bestandteil unserer Organisation, Verwaltung oder der Kommunikation. und auch für einen Teilbereich in der Werbung optimal.

Bei all der Erwägung zum Umweltschutz, steht außer Frage, dass Print zeitgemäß ist. Im Direktmarketing und für diverse Szenarien im Marketing ist die Wirkung, bzw. sind die Rücklaufquoten von analogen Medien immer noch unschlagbar.

Zum Beispiel Visitenkarten: Im Grunde braucht niemand mehr diese kleinen, vielfältigen Druckwerke. Adressen lassen sich digital schnell austauschen und speichern. Allerdings emotionslos, nur als Datensatz auf einer Datenbank. Gedruckte Adresskarten, hergestellt auf edlen Kartonagen, in passenden Designs, Formen und Veredelungen, sind persönlicher und emotionaler.

Der Begriff Imagecard offenbart den tieferen Sinn!

Neben der gestalterischen und materiellen Raffinesse, lassen sich selbst auf kleinen Visitenkarten Labels für Verantwortung durch Umweltschutz unterbringen und gestalterisch großartige analoge Medien auf besonderen Substraten, mit Veredelungen, in Sonderformaten und/oder mit bestimmten Funktionen kreieren.

Fazit: Die Botschaft von No-Label-Print

Aufmerksame Kunden erkennen falsch oder gar nicht gelabelte Drucksachen und wissen, dass das, was man nicht sieht, viel über den Absender verrät.

In der entscheidenden Phase, in der sich Kunden für den Kauf interessieren, verifizieren einige final alle Informationen, auch vergleichend. Zum einen den Preis, aber eben auch, wie souverän, wie vertrauenswürdig, originell oder kreativ ein Anbieter erscheint.

Das No-Label zeigt: Es war dem Absender nicht wichtig, seine Drucksache umweltschonend zu beziehen – nicht einmal für wenige Prozent Aufpreis. Der Absender handelte nicht mit Verantwortung, sondern offensichtlich im Sinne seines eigenen finanziellen Vorteils. Übertrieben? Man kann es sicher freundlicher formulieren, an dieser Tatsache ändert das jedoch nichts.

Stellen wir uns die einfache Frage, wie wir wahrgenommen werden möchten? Welches Image steht uns zu? Da gibt es keine Grauzone, sondern nur Verantwortung oder eben keine. Stattdessen Egoismus und Gleichgültigkeit. So manche Discount-Botschaft wird somit zu einem peinlichen Geständnis. Ob bei Lebensmitteln, Möbeln oder in der Werbung.

Der UmDEX/print bietet eine vollständige Zusammenfassung der wichtigsten, international anerkannten Abzeichen, die auch auf Drucksachen abgebildet werden können.

Auf einer Drucksache aus London las ich neulich die perfekte Zusammenfassung:

Yes to the climate, responsibility now!

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Jürgen Zietlow

Jürgen Zietlow

Autor, Blogger, Fachtexter

Autor, Fachjournalist und Blogger | 2005 bis 2017 Chefredakteur vom Druckmagazin MEDIEN | seit 2010 Unternehmensberater für Content-Marketing- und Media-Strategien | Entwickler der Content-Strategie- und Prozessmethode LineCore, ein System zur crossmedialen Distribution von Inhalten.

Fokus

Two Sides
Ein nach wie vor kontrovers diskutiertes Thema ist die Umweltgerechtigkeit von Papier. Two Sides klärt die Öffentlichkeit mittels Studien und Fakten auf. Ein Interview mit Managing Partnerin bei Two Sides, Anne-Katrin Kohlmorgen.
Klimakiller Internet:
Digitale Medien, so dachten bislang viele, sind grundsätzlich umweltfreundlicher als gedruckte. Der Umweltexperte Guido Rochus Schmidt hat recherchiert und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
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