Nachhaltigkeit mit Cradle to Cradle Standard
Eine Zeitung, so rein wie unser Brot

Warum entscheidet sich eine regionale Biobäckerei in Zeiten von Social Media, Internet-Posts, Apps, Newsletter und Co für das klassische Medium Zeitung? Und das nicht etwa als simples Werbeblättchen für die Ladentheke, sondern als manifestes Magazin für die reinste und nachhaltigste Form der Kommunikation zwischen Produzenten und Konsumenten. Der Grund ist beim Durchblättern sofort zu erkennen: In dieser Zeitung steckt viel mehr als nur Brot!

Road To Bakery, Verkaufsraum der Biobackerei Max Kugel, Beitragsbild: Max Kugel
Road To Bakery, Verkaufsraum der Biobackerei Max Kugel, Beitragsbild: Max Kugel

Im Januar 2021 erschien die Nummer EINS der BROTPOST – ins Leben gerufen von der Bonner Biobäckerei Max Kugel. Die Bäckerei bäckt nach eigenen Angaben „nur Brot“ und versteht sich als Gegenentwurf zur industrialisierten Form der Backwarenherstellung in Großbäckereien, meist mit Zusätzen und Getreiden, die oft genug zweifelhaft sind, was die Herkunft und Auswirkung auf Umwelt und Klima betrifft.

Hommage an die Zeitung, Bildquelle Biobäckerei Max Kugel

Der handwerkliche Ansatz der Bonner Bäckerei Max Kugel ist grundsätzlich ein völlig anderer. Die Tatsachen und Eindrücke, die der Weltreisende Max Kugel auf seiner „Road to Bakery“ quer um den Globus, von Europa über die USA, Kanada, Indien und Japan sammeln durfte, brachten ihn zu dem Entschluss, Brot in seiner einfachsten Form herzustellen: Mehl, Wasser, Salz und Hefe.

Wir können mit unbehandelten Rohstoffen und unserem Knowhow, welches wir uns über Jahre angeeignet haben, einzigartige Brote herstellen. Das A und O ist es, den Fokus richtig zu setzen und dem Ganzen Zeit zu geben. So, wie die Erde es uns schon seit tausenden von Jahren mit ihren „Produkten“ vormacht.

Vor diesem Hintergrund war es für die Bäckerei selbstverständlich, die traditionelle handwerkliche Philosophie ihren Kund:innen durch die klassische Form der Informationsweitergabe mittels einer traditionellen Zeitung zu vermitteln, denn ein solches Produkt spricht alle Sinne an – umfassend statt eindimensional.

Ein Streifzug der Eindrücke

Schon wenn man die Zeitung in Händen hält, nimmt einen die Haptik des Papiers gefangen. Die Zeitung lebt, morgens anders als abends – sie reflektiert Tageslicht und Kerzenschein, und kein Leser und keine Leserin wird hier die traurige Eintönigkeit der Standardbeleuchtung eines Tablets oder das normierte weiße Licht eines PC-Bildschirms vermissen.

Die Nachfrage wächst, Bildquelle Biobäckerei Max Kugel

In dieser Zeitung steckt mehr als Brot: Ein wenig Bonner Lokalkolorit, Portraits von Menschen, die beeindrucken, Reportagen über interessante Dinge und natürlich Informationen über das Handwerk der Bäckerei.

Das Ziel der Herausgeber:innen der BROTPOST war es, eine Zeitung zu kreieren, die man sich unter den Arm klemmen kann, die man mit nach Hause nimmt und sich von ihrem Charme und dem eigenen, spezifischen Charakter eines nachhaltig hergestellten Printprodukts bezaubern lässt.

Die Nummer 10 macht den Unterschied, Bildquelle Biobäckerei Max Kugel

Daher war es bald klar, dass nicht jede Druckerei in der Lage ist, den Wunsch  der Bäckerei, nämlich die reinste und nachhaltigste Form Brot zu backen mit der innovativsten Form der Druckproduktion zu verbinden: Ohne Grenzwerte für schädliche Inhaltsstoffe, mit Substanzen, die wieder in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden sollen und ein Produktionsablauf, der das Klima nicht schädigt, sondern hilft, die CO2-Emission zu reduzieren.

Die Liebe zum Brot trifft auf die Liebe zur Farbe

Es gibt nicht viele Druckereien in Deutschland, die einen solchen ökologisch ganzheitlichen Produktionsansatz verfolgen. Max Kugel fand sie in der Reinheimer Umweltdruckerei Lokay.

Die große Liebe zu Drucksachen, zu Mensch und Natur zeichnet das Team der Druckerei Lokay schon seit vielen Jahren aus. Als Ökopionier der ersten Stunde liefert das Unternehmen seit mehr als 20 Jahren nachhaltig zertifizierte Druckererzeugnisse von hervorragender Brillanz an seine Kund:innen.

Bereits 1998 stellte Ralf Lokay die komplette Produktion auf Öko-Druckfarben um. Kontinuierlich folgten weitere ökologische Verbesserungen wie 100 Prozent zertifizierter Ökostrom, die Abschaffung von Isopropanol im Druckprozess – einem gesundheits- und klimaschädlichen Alkohol -, sowie die Einführung prozessfreier Druckplatten, die ohne Wasser und Chemie hergestellt werden können.

Seit 2007 ist das Umweltmanagementsystem EMAS für alle nachhaltig organisierten Prozesse im Unternehmen etabliert. Neben den grundsätzlichen Umweltmaßnahmen wurden auch kleinere Projekte wie die innovative Dienstfahrradflotte oder das Upcycling alter Drucktücher aus Gummi zu Freizeittaschen eingeführt. Seit 2017 sind die Prozesse zur Herstellung zertifizierter Druckprodukte mit dem Blauen Engel -Label DE-UZ 195 ausgezeichnet und seit 2020 mit dem Nachhaltigkeitsstandard Cradle-to-CradleTM (Bronze).

Nachhaltigkeit ist mehr als nur Umweltschutz

Die Druckerei Lokay will nicht nur schöne nachhaltige Printprodukte herstellen, die die Umwelt wenig oder gar nicht belasten. All die Broschüren, Magazine und Bücher, Kalender, Flyer und Mappen sollen möglichst eine positive Wirkung auf die Umwelt haben. Darum ist es das ehrgeizige Ziel des Unternehmens, das Konzept der Kreislaufwirtschaft umzusetzen. Das bedeutet, Produkte anzubieten, die nicht nur ressourcenschonend sind, sondern auch ressourcenerhaltend.

Brot braucht Zeit, Bildquelle Biobäckerei Max Kugel

Vor diesem Hintergrund trafen zwei Unternehmen aufeinander, die nicht nur aus rein marktorientierten Überlegungen, sondern vor allem aus Überzeugung die Maxime der Ressourcenerhaltung in ihren jeweiligen Branchen umsetzen wollen. Für Max Kugel war es klar, dass die Zeitung allein durch ihre Existenz die Philosophie seiner Bäckerei verbreiten sollte, in der unsere Erde einen ganz besonderen Stellenwert genießt. Daher war das zertifizierte Cradle to Cradle Papier wie auch der gesamte Produktionsstandard ein Muss.

Eine nachhaltige und innovative Form des Brotbackens trifft auf einen nachhaltigen ökologischen Standard des Druckens.

Und das Zusammentreffen dieser beiden Unternehmen fiel auf fruchtbaren Boden. Mittlerweile ist auch schon die Nummer ZWEI der BROTPOST erschienen. Beide Ausgaben wurden auf dem Naturpapier Evolution Blue Natur Cradle to Cradle mit mineralölfreien Farben gedruckt. Als Format für die Zeitung wählte man ein Seitenformat von 30 x 42 cm. So liegt sie angenehm in der Hand, ist leicht aufzublättern und dient aufgeschlagen als Basis für wunderbare, großformatige Fotografien. Der 40 Seiten umfassende Umfang wurde nicht geheftet, so dass der Tageszeitungscharakter erhalten blieb.

Die BROTPOST EINS wurde in einer Auflage von 10.000 Exemplaren gedruckt, die Nummer ZWEI reduzierte man auf 5.000 Exemplare. Und auch dieser Entschluss drückt das Umweltverständnis der Biobäckerei Max Kugel aus:

Weniger ist oft mehr!

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Guido Rochus Schmidt

Guido Rochus Schmidt

Umweltexperte u. Autor

Guido Rochus Schmidt war von 1979 bis 2013 Geschäftsführer der Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG, die 1999 als erste Druckerei Bayerns das EMAS-Zertifikat der Europäischen Union erhielt. Als Umweltexperte betreute er von 1999 bis 2017 die ökologische Fortentwicklung des Unternehmens. Seit 2017 berät der Experte Unternehmen bei allen Fragen der Nachhaltigen Medienproduktion.

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Zertifizierungsberatung bei Print
Warum kommt die nachhaltige Transformation in der Druckbranche, verglichen mit anderen Branchen, derzeit noch langsamer voran? Und wie (be)rechnet sich Nachhaltigkeit? Das und mehr haben wir mit dem Consultingteam der Umweltdruck Berlin GmbH diskutiert.

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