Globale Nachhaltigkeit
Internationaler Tag der Umwelt

Der Weltumwelttag oder auch „Tag der Umwelt“ ist ein seit 1972 jährlich am 5. Juni weltweit begangener Aktionstag. Seit den 70er-Jahren haben sich internationale Strukturen konstituiert, die heute, 50 Jahre später, zunehmend deutlicher zum Tragen kommen. Diese und andere Aktionstage sensibilisieren die Erdbevölkerung für die nachhaltige Transformation. 

von | Juni 2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Weltbevölkerung, Umweltschuztz
Die Weltbevölkerung hat sich seit den 1950er Jahren mehr als verdreifacht. Immer mehr Menschen der dritten Welt und aus den Schwellenländern fordern Lebensstandard reicher Industrienationen. Zugleich werden die fossilen Ressourcen spätestens in einigen Jahrzehnten verbraucht sein. Der Weltumwelttag ist auch eine Erinnerung an diesen Status quo.
Die Weltbevölkerung hat sich seit den 1950er Jahren mehr als verdreifacht. Immer mehr Menschen der dritten Welt und aus den Schwellenländern fordern Lebensstandard reicher Industrienationen. Zugleich werden die fossilen Ressourcen spätestens in einigen Jahrzehnten verbraucht sein. Der Weltumwelttag ist auch eine Erinnerung an diesen Status quo.

Bei der Entstehung dieses Beitrages leben circa 7,89 Milliarden Menschen auf der Erde. Schon, wenn Sie den nächsten Absatz lesen, werden es rund 100 Menschen mehr sein – und morgen um diese Zeit sind es wenigstens 220.000 Menschen mehr, die die Erde zusätzlich bewohnen. Die Menschheit wächst jeden Tag in der Dimension einer Großstadt – bereits um die Verstorbenen korrigiert.

Verständlicherweise wollen all diese Menschen in demselben Standard leben wie die reichsten Erdenbürger:innen, die in den Industrieregionen leben, zum Beispiel wie wir in der Europäischen Union: in Bezug auf die Versorgung mit Energie, beim Zugang zu frischem Wasser, mit ausreichend Angeboten an Lebensmitteln, einer wenigstens annähernden Infrastruktur, mit entsprechenden Bildungsangeboten, bei der medizinische Versorgung und so weiter. Daneben wollen diese Menschen eine möglichst schnelle Anbindung an das Internet, ihre Freizeit mannigfaltig gestalten und die gleiche grenzenlose Flexibilität beim Reisen genießen.

Wer wollte es diesen Menschen übel nehmen, sich an den reichsten Regionen der Welt zu orientieren? Vor diesem Hintergrund ist es also keineswegs trivial, wenn

alle 15 Tage so viele Menschen zusätzlich diesen Standard anstreben, die der Einwohnerzahl von Berlin entsprechen.

Wie groß die Gefälle beim Wohlstand sind, einschließlich der sozialen Standards, das sehen diese Menschen der dritten Welt und in den Schwellenländern zunehmend täglich übers Internet: Im Jahr 2019 nutzten 3,3 Milliarden Menschen ein Smartphone – ein Plus von 300 Millionen Nutzern zum Vorjahr. Für das Jahr 2020 wird ein weiterer Anstieg auf 3,5 Milliarden Nutzer:innen prognostiziert. Laut einer Schätzung haben schon im Jahr 2018 rund 3,9 Milliarden Menschen weltweit das Internet genutzt. Für das Jahr 2021 wird geschätzt, dass die Zahl der Internetnutzer bis auf rund 4,1 Milliarden steigen wird.

Niemand zweifelt daran: Wenn die Bürger:innen der reichen Nationen nicht bereit sind, auf einen Teil ihres Ressourcenverbrauches zu verzichten, dann wird die Rechnung schon sehr bald nicht mehr aufgehen. Die Folgen wären katastrophal. Mit der richtigen politischen Agenda könnten die reichen Ländern massenhaft Arbeitsplätze sichern und dennoch ihre Verbräuche reduzieren. Technische Innovationen ermöglichen eine starke Annäherung der weltweiten Lebensstandards.

Die Digitalisierung ändert alles

Seit kaum länger als etwa zehn Jahren ändert sich durch die Digitalisierung erstmals alles, mit Blick auf die Globalisierung. Die digitale Transformation ist in vielerlei Hinsicht derart mächtig, dass Prognosen auf Basis bisheriger Erfahrungen in einem nicht digitalen Umfeld kaum nützen. Viele Veränderungen geschehen jetzt schneller und folgenreicher als bei bisher allen industriellen Revolutionen, gesehen auf die globale Arbeitswelt, auf künftige nachhaltige und gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle sowie auf politische Strukturen und selbst Staatsformen.

Die Menschheit rückt immer enger zusammen. Die Erde wandelt sich zu einem digitalen Dorf.

Mit Blick auf die globale Entwicklung der Menschheit ist die Digitalisierung zu einem wesentlichen Faktor geworden: Informationen gelangen in die entlegensten Regionen der Welt, Lieferketten können mittels Blockchain nicht mehr manipuliert werden, bargeldloses Bezahlen verhindert illegale Ausbeutung und Steuerflucht, Stromnetze werden mittels KI effizient gesteuert und so weiter. Damit rückt aber auch das soziale Ungleichgewicht überall in greifbare Nähe – besonders für die Menschen, die häufig zu unseren Gunsten verzichten müssen, denken wir nur an die Beschaffung oder die Fördermethoden seltener Erden in Afrika, an indische Textilarbeiter:innen und dergleichen mehr.

So wundert es nicht, dass Migration ein elementares Thema dieser Zeit ist.

Armutsgefälle. EU und USA, Grenzzaun

Immer mehr Klima- und Wohlstandsflüchtlinge drängen Richtung Norden. U. a. die EU und die USA sehen globalen Handlungsbedarf, etwa durch eine fairere Verteilung des globalen Wohlstandes. Doch derzeit schützen sich die reichsten Regionen der Welt wenig zukunftsgerichtet durch meterhohe Zäume davor, regelrecht überrannt zu werden.

Dramatische Migration, annähernd Völkerwanderungen

Europa und auch die USA schützen sich derzeit mehr oder weniger mit Gewalt in Richtung der südlicher gelegenen Länder oder Kontinente, um nicht von Millionen Klima- und Wohlstandsflüchtlingen überrannt zu werden. Die USA und die EU stehen vor einem Dilemma: Einerseits haben sie ihre Bürger:innen an den Überfluss und den Konsumrausch gewöhnt, andererseits fordern immer mehr Menschen aus dem Süden ihren Teil dieses Reichtums ein oder müssen aus existenziellen Gründen, zum Beispiel aufgrund von Kriegen oder der klimatischen Verhältnisse, fliehen.

Die derzeitige Lösung, die eigenen Außengrenzen wie Festungen zu schützen, wird auf Dauer nicht funktionieren. Migranten und Wirtschaftsflüchtlinge werden Wege und Mittel finden, z. B. nach Europa zu gelangen. Dass dabei im Mittelmeer zwischen Januar 2014 und heute rund 20.000 Menschen verstorben sind und an der Grenze zwischen den USA und Mexiko rund 6.000 Todesfälle in etwa 15 Jahren registriert wurden, ist unerträglich. Zwar ist die EU bemüht, etwa illegale Routen und untragbare Verhältnisse in den Auffanglagern zu beseitigen, doch dies gelingt seit Jahren nur in kleinsten Trippelschritten – und der Druck wird immer größer. Längst ist klar, dass das Problem bei der Wurzel gepackt werden muss, etwa durch eine Transformation des Weltenergie- und Wirtschaftssystems. Europa und die Welt brauchen Mehrheitsentscheidungen ohne Vetorechte von Schurkenstaaten.

Übergang vom fossilen in das erneuerbare Zeitalter

Die Lage wird sich zunächst weiter dramatisch verschärfen, denn momentan zehrt diese rasant wachsende Bevölkerung immer noch größtenteils von fossilen Ressourcen. Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle bilden immer noch die wichtigsten Energieträger der Weltwirtschaft, (vgl. u. a. Statista) und decken den Großteil des globalen Primärenergiebedarfs: organische Verbindungen auf Kohlenstoffbasis, die über Jahrmillionen aus Pflanzen (Kohle) und Tieren (Erdgas, Erdöl) entstanden sind. Bei der Verbrennung der nicht erneuerbaren Energierohstoffe wird einerseits klimaschädliches CO₂ freigesetzt, womit die globale Erwärmung weiter befeuert wird, andererseits spielt die Menschheit auf Risiko. Niemand weiß wirklich ganz genau, wie viele Jahrzehnte wir noch fossile Energieträger in den benötigten Mengen fördern können.

Der globale Rohstoffreichtum beruht dabei primär auf großen Kohlevorkommen. Konventionelles Erdöl und Erdgas sind besonders auf bestimmte Regionen konzentriert. Diese Regionen sind nicht selten unter Kontrolle von Diktatoren und undemokratischen Regimen.

So oder so: fossile Ressourcen sind endlich. Egal, ob sie noch 20 oder 40 Jahre ausreichen – sie werden den Motor der Weltwirtschaft nur noch sehr begrenzte Zeit antreiben können.

Generell ist es ein unkalkulierbares Risiko, das Industrienationen wie Deutschland immer noch auf Gedeih und Verderb auf den Import von Öl und Gas angewiesen sind. Auch deshalb strebt Deutschland mit der Energiewende den Umstieg auf erneuerbare Energien an. Gleichzeitig wird der Kohleausstieg vollzogen.

Kritik an der nachhaltigen Transformation

Dieses Tempo und die politische Agenda werden teils heftig kritisiert, angetrieben durch die mächtige Lobby entsprechender Weltkonzerne, die fossile Ressourcen fördern und anbieten. Aufgrund der Abhängigkeit reicher Volkswirtschaften, rentieren sich selbst solche Fördermethoden, bei denen keinerlei Rücksicht auf Menschen und Umwelt genommen wird,

denken wir nur an die Ölförderung in Kanada, dem größten und wohl hässlichsten Industrieprojekt der Welt.

In Kanada wird selbst noch das letzte Barrel Öl mit großen Mengen von Chemie aus dem Boden gepresst, mit irreparablen Schäden für die Umwelt. Die Weltengemeinschaft schaut weg, bisher auch mangels Alternativen. Diese Industrie ist ausschließlich daran interessiert, Profite zu generieren, ungeachtet der Frage, wie es danach weitergeht, wenn diese Ressourcen zur Neige gehen – und das ist sicher. Sollte die Menschheit bis dahin keine gangbaren, praktikablen Alternativen in globalem Maßstab parat haben, sind kriegerische Auseinandersetzungen um die letzten Ressourcen unausweichlich.

Um das Weltenergiesystem real auf Erneuerbare Energien umzustellen, braucht es Jahrzehnte. Die Zeit wird also knapp. Jedes Zögern bedroht unseren Wohlstand somit elementar.

Zukunft: Energiewende, nachhaltige und digitale Transformation

Erde, Ressourcen

Die Ressourcen der Erde, besonders fossile Energieträger, sind endlich und bieten keine langfristige Perspektive für die Menschheit, ihren Energiebedarf zu decken.

Schon aufgrund dieser Fakten scheint es absolut alternativlos, die Energiewende mit aller Kraft und politischem Willen umzusetzen. Doch notorische Nörgler sind vonseiten einer mächtigen Industrielobby pro fossiler Ressourcen ziemlich einfach davon zu überzeugen, dass sich im Grunde nichts verändern darf. Eine Transformation des Weltenergiesystems wäre gefährlich und ginge zu unseren Lasten.

Die zentrale Rolle bei dieser Lobbyarbeit spielt immer noch die Angst vor Verlust.

Da wird propagiert, die Energiewende sei ein Flop und würde doch nur Geld kosten, es gäbe keinen menschengemachten Treibhauseffekt, die E-Mobilität kommt mit einem negativen CO₂-Fußabdruck daher und, ganz aktuell: Annalena Baerbock und die Grünen werden Deutschland ins absolute Chaos stürzen. Konsolidierung, Verzicht, Reduktion und ein Gesundschrumpfen werden als Verlust und eben nicht als Gewinn oder mittelfristig einzig reale Lösung dargestellt.

Klimawandel

Oft ist auch zu hören, dass die Menschen keine ausreichende Wirkungskraft auf das Weltklima hätten und gar nicht im Stande seien, derart globale Ereignisse wie das Klima zu forcieren. Doch selbst dem inzwischen vollgelaufenen Dreischluchten-Staudamm in China können Geowissenschaftler einen messbaren Einfluss auf die Erdrotation zuweisen: Und das ist nur ein regionales Projekt, also bei weitem nicht so gewichtig, wie der globale, seit Jahrzehnten exzessive Ausstoß von CO₂ im globalen Maßstab, mit immer noch steigender Tendenz. Natürlich gab es auch schon vor dem Zeitalter des Homo sapiens immer wieder starke Klimaschwankungen. Doch trafen diese auf eine Erde, die gar nicht bzw. mit Blick auf die letzten 10.000 Jahren von signifikant weniger Menschen besiedelt wurde.

Wechselwirkungen zwischen Klimaauswirkungen und der Erdbevölkerung

Es macht nämlich einen gewaltigen Unterschied, ob die Auswirkungen eines Klimawandels auf eine Erdbevölkerung von einer Milliarde Menschen (im Jahr 1800) treffen, auf eine Erdbevölkerung von 2,5 Milliarden Menschen (im Jahr 1950) oder wie heute, auf 7,9 Milliarden Menschen, die aktuell auf der Erde leben. Schon im Jahr 2060 leben rund 12 Milliarden Menschen auf der Welt (Worst Case), wenigstens aber 9 bis 10 Milliarden. So sind zunehmend auch solche Regionen bevölkert, wo schon kleinste Temperaturschwankungen enorme Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen haben. Und natürlich ist es ein Unterschied, ob „nur“ 100.000 oder, so wie heute, 50 Millionen Menschen vor klimatischen Auswirkungen flüchten müssen. So wird deutlich, wie primitiv, haltlos und rückwärtsgewandt die Propaganda der Industrie im fossilen Sektor ist.

Energiewende in Deutschland erfolgreich

Die Energiewende ist ein auf Jahrzehnte angelegtes Projekt, das nennenswert erst seit 30 Jahren forciert wird. Es wird weitere 20 Jahre brauchen, bis Deutschland vollständig auf fossile Energieträger verzichten kann. Jede Verzögerung bei der Umstellung des Energiesystems bedroht unsere Existenz fundamental.

Auch ist längst schon Fakt, dass die Energiewende, trotz aller Unwägbarkeiten und Rückschläge, eine echte Erfolgsgeschichte ist. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Nettostromerzeugung liegt in Deutschland aktuell erstmals bei über 50 %. Es ist real möglich und ganz sicher keine Utopie, selbst den zusätzlichen Energiebedarf von circa 15 % zu decken, um den Verkehr komplett zu verstromen. Laufend verbessern sich die Fördermethoden seltener Erden, die Akkus werden zunehmend nachhaltiger, Autos lassen sich immer schneller laden, das digitale Stromnetzwerk wird, vergleichbar mit dem Internet, immer weiter vernetzt und schon bald viele Millionen Speicher zu einem smarten Stromnetz verkabelt sein.

Internationale Aktionstage

Um die Menschheit für solche und weitere wesentlichen Fakten zu sensibilisieren und zu verdeutlichen, dass die Menschheit nicht in 195 Staaten und auf 5 Kontinenten lebt (Amerika und Eurasien-Modell), sondern auf einer Erde, sind internationale Aktionstage von größter Wichtigkeit.

05. Juni: Internationaler Tag der Umwelt, Weltumwelttag

Mit unterschiedlichen Veranstaltungen, Aktionen und Maßnahmen wird an diesem Tag weltweit ökologische Courage gefördert. Global beteiligen sich rund 150 Staaten an diesem World Environment Day, der das Bewusstsein dafür stärken soll, dass es vor allem der Mensch selbst ist, der die Vielfalt und Stabilität der Umwelt bedroht.

Der Weltumwelttag soll auch an die Eröffnung der Konferenz der Vereinten Nationen zum Schutz der Umwelt am 5. Juni 1972 in Stockholm erinnern. Damals haben die Vereinten Nationen und vier Jahre später auch die Bundesrepublik Deutschland den 5. Juni zum jährlichen „Tag der Umwelt“ erklärt.

Internationaler Tag der Umwelt

Internationale Aktionstage sensibilisieren die Menschheit dabei, in globalen Dimensionen zu denken und zu verstehen, dass unsere Schicksale über das Weltklima verbunden sind. Bildquelle: Pixabay

Earth Overshoot Day

Beispielsweise um zu demonstrieren, an welchem Datum eines jeden Jahres die Menschheit ihre natürlichen, nachwachsenden Ressourcen verbraucht hat, berechnen die Initiatoren des Aktionstages Earth Overshoot Day, das Global Footprint Network, den Tag im Jahr, an dem die Menschheit auf Pump lebt, also mehr Ressourcen verbraucht, als natürlich nachwachsen können.

Im Jahr 2019 fiel der Earth Overshoot Day weltweit auf den 29. Juli und 2020 „erst“ auf den 22. August. Dass unsere Verbindlichkeiten bei Mutter Natur 2020 später angefallen sind, ist kein Grund zur Freude, denn in diesem Jahr wurde die Corona-Krise miteinberechnet, was zeigt, wie sehr die Menschen selbst Einfluss auf den Verbrauch natürlicher Ressourcen nehmen können.

So oder so verbrauchen wir nach wie vor jährlich im Schnitt Rohstoffe in einer Menge, als ob uns 1,6 Erden zur Verfügung stünden.

Die Frage ist logisch und folgerichtig, wie lange das noch gutgehen kann, insbesondere vor dem Hintergrund des globalen Bevölkerungswachstums und dem Bestreben der Menschen in ärmeren Ländern, ebenso verschwenderisch zu leben, wie wir zum Beispiel in Europa.

17 Goals der Vereinten Nationen

So viele Menschen, Ethnien, Gebräuche und Traditionen, Regionen und Religionen, Länder, Regierungen und Interessen: Die Welt ist sehr viel komplexer, als wir es uns auch nur ansatzweise vorstellen können. Absolut folgerichtig stehen wir Menschen an der Schwelle zu einem neuen, digitalen Zeitalter, mit dem erklärten Ziel, in den nächsten Jahrhunderten ohne physische, toleranzbedingte, wirtschaftliche, religiöse oder ethische Grenzen zu leben.

Jedenfalls ist dies der Bauplan der United Nations mit all ihren international verwobenen Institutionen und Strukturen. Am bekanntesten und fast schon legendär sind die 17 Goals der UN – die globalen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung dieser Welt. Dazu zählen im globalen Maßstab die Reduzierung der Armut und Vermeidung von Hunger, die Angleichung von Gesundheit und Wohlergehen, der Zugang zu Bildung und sauberem Wasser, menschenwürdige Arbeit und Infrastruktur, die Entwicklung lebenswerter und nachhaltiger Städte, regionale Maßnahmen zum Umweltschutz, Frieden, Gerechtigkeit, Geschlechtergleichheit sowie starke Institutionen.

Was da so schön klingt, war und bleibt ein hartes Stück Arbeit und dürfte noch viele Jahrzehnte brauchen. Es gab viele Rückschläge, denken wir nur an den Weltklimarat, Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und die vielen Pläne, die immer wieder verschoben wurden.

Wie schwierig es ist, sich auf gemeinsame Spielregeln zu einigen, zeigt schon die kleinste Zelle eines Staates, die Familie.

Häufig wird zwischen Eheleuten oder den Kindern einer Familie leidenschaftlich gestritten. So auch in den Dorfräten und Gemeinden, den Kreistagen und Länderparlamenten. Das zeigt, wie komplex es ist, die Welt zu harmonisieren. Doch die Alternative ist, nichts dergleichen zu versuchen.

Die simple Frage lautet: was tun wir dann?

Die Zeit der Relativierungen ist vorbei

Das Herunterspielen solcher internationalen Bemühungen hat auch in Deutschland Tradition. Nur ein Generationenwechsel und ein zumindest mäßiger politischer Willen haben es vollbracht, dass die Nachhaltigkeit, die zwischen den 1980er- und den 2010er-Jahren vor sich hin dümpelte, seit einigen Jahren real sichtbar und sehr viel ernster genommen wird. Denken wir an den Veggie-Boom, an die Bemühungen der Politik und der Industrie in puncto E-Mobilität, an die Erfolge der Energiewende und an die ernsthaften Bemühungen der Wirtschaft, die nachhaltige und digitale Transformation jetzt mit einer höheren Priorisierung ernsthaft und ganz real zu verwirklichen.

Vor dem Hintergrund der Lage der Menschheit, dem Bevölkerungswachstum (mit künftig weiteren ggf. sogar schwereren Pandemien), der zunehmenden Ressourcenknappheit, dem Klimawandel und dem Artensterben,

ist Greenwashing demgegenüber mittlerweile eine echte Sauerei!

Doch solche grüne Poesien sind endlich angezählt: Immerhin hat Frankreich Ökozid zu einer Straftat erklärt und auch die Verbraucherzentralen reagieren zunehmend sehr gereizt auf Greenwashing, etwa auf Aussagen zur Klimaneutralität von Unternehmen, die ansonsten aber nichts nennenswertes leisten, um sich ernsthaft und mit mehr als der politische geforderten Kraft am nachhaltigen Wandel zu beteiligten.

Beispiel Druckbranche

Mit Blick auf die Medien- und Druckbranche wird deutlich, wo die Linie zwischen echter, professioneller und engagierter Nachhaltigkeit und Greenwashing verläuft. Bei einer Umfrage zur Kampagne Subventionspaket Blauer Engel (KSB) hat das UmDEX-Team recherchiert, wie viele Druckereien in Deutschland wirklich nachhaltig produzieren. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von 6.500 bis 7.000 mehr oder weniger klassischen Druckereien produzieren rund 250 Unternehmen zumindest ansatzweise nachhaltig. Schließlich bleiben rund 80 Betriebe, die im Sinne internationaler Standards wie Blauer Engel UZ-195, EMAS, DIN ISO 14001 oder 50001, EU-Ecolabel, FSC/PEFC etc. nennenswert nachhaltig dienstleisten.

Mit dem besonderen Prädikat UmDEX-Klasse dienstleisten derzeit nur rund 40 Unternehmen in der D/A/CH-Region: Unternehmen, die das große Ganze Bild sehen und konkrete Verantwortung auch als Teil einer so wichtigen globalen Agenda übernehmen.

Printbuyer, die glaubwürdig nachhaltige Medien in ihrem Namen verbreiten, stehen genauso in der Pflicht, sich selbst zu informieren und ihren Teil dazu beizutragen – zum Beispiel den überschaubaren Aufpreis von drei bis zehn Prozent für ein bestmöglich nachhaltiges Druckwerk, egal ob Broschüre, Buch oder Flyer, beizutragen.

Dieser Status quo verdeutlicht, wie wichtig Aufklärung in dieser und vielen weiteren Branchen ist. Entschlossenes politisches Handeln ist jetzt in internationalem Maßstab gefragt, um die Menschheit und Unternehmen global zum Handeln zu motivieren. Es geht darum, die Bedeutung der Transformation zu erklären und die Menschheit auf künftig weitreichende Veränderungen einzustellen. Kurz:

Es wird anders, nicht aber schlechter.

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Jürgen Zietlow

Jürgen Zietlow

Unternehmensberater für nachhaltige Kommunikation

Fachjournalist, Umwelt-Lobbyist | 2005 bis 2017 Chefredakteur Magazin MEDIEN | seit 2010 Analyst für nachhaltige Kommunikation, Social Monitoring/Media | Entwickler LineCore-Methode® (Recherche-/ Redaktionssystem).

Fokus-Slider f. alle Bereiche
Zertifizierungsberatung bei Print
Warum kommt die nachhaltige Transformation in der Druckbranche, verglichen mit anderen Branchen, derzeit noch langsamer voran? Und wie (be)rechnet sich Nachhaltigkeit? Das und mehr haben wir mit dem Consultingteam der Umweltdruck Berlin GmbH diskutiert.

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