Zukunft: nachhaltige Medienproduktion
Von Corporate Sustainability zum Climate Quitting?

Baut sich Donald Trump eine Autokratie? Wladimir Putin und Xi Jinping führen schon eine – und auch in Europa werden Staatslenker wie Tayyip Erdoğan oder in der EU Politiker:innen wie Viktor Orbán, Geert Wilders oder Marine Le Pen zunehmend stärker. Dennoch: Grund zur Besorgnis mit Blick auf den Fortgang der nachhaltigen Transformation besteht kaum, denn: Es geht immer um Beständigkeit, Rendite und Sicherheit. Wer sich heute bekennt, wird profitieren – ein Essay von Jürgen Zietlow.

Buch: Europäischer Green Deal. Die EUDR-Verordnung ist eine von diversen Direktiven
Derzeit erhitzen sich die Gemüter, aufgrund diverser Rückschritte bzw. Modifikationen bei verschiedenen Direktiven des Green Deals, z. B. bei der EUDR, der Green Claim Directive oder der CSDDD (Lieferkettensorgfaltsgesetz).
Derzeit erhitzen sich die Gemüter, aufgrund diverser Rückschritte bzw. Modifikationen bei verschiedenen Direktiven des Green Deals, z. B. bei der EUDR, der Green Claim Directive oder der CSDDD (Lieferkettensorgfaltsgesetz).

Es gibt gute und schlechte Nachrichten über die Hölle – die gute ist: Die Hölle ist nur das Produkt einer morbiden menschlichen Vorstellung. Die schlechte Nachricht: Vieles, was sich Menschen vorstellen, können sie auch erschaffen. Die Vorstellungen über die Hölle gehen weit auseinander. Gerade jetzt sind wir Deutschen ein Volk, das sich mit großem Eifer gegenseitig beschimpft, ausbremst und verachtet. Das ist maximal destruktiv – und die Hölle zumindest für unsere Wirtschaftskraft. 

Viele Unternehmen in der grafischen Industrie, so auch in der Druck- und Medienbranche, fragen sich generell, wie es angesichts der politischen Beben überall auf der Welt weitergeht, mit der nachhaltigen Transformation. Auch mit Blick auf die Verkündung der Merz-Regierung, das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz bis zur Umsetzung der CSDDD (Corporate Social Due Diligence Directive) mehr oder weniger auszusetzen. Davor schon kam ein Stand-by bei der Green Claim Directive, weil administrative Überlastung drohte. Zuletzt wurde auch die EUDR (Entwaldungsverordnung) um ein weiteres Jahr verschoben. Zeitgleich hat sich ein US-Präsident als Anführer der westlichen Welt mit persönlichen Ressentiments gegen die nachhaltige Transformation in Stellung gebracht – gegen jede wissenschaftlich evidente Expertise. Das wiederum motiviert aktuell einige EU-Despoten, es ihm gleichzutun. 

Im zweiten Teil dieses Beitrags fasse ich den rechtlichen Status zusammen: Global, EU-weit und in Deutschland. Ich gehe näher auf die Omnibus-Richtlinie, den freiwilligen Berichtsstandard VSME sowie auf weitere relevante Gesetze ein. Dieser erste Teil ist eine einleitende, politische Navigation. Ohne Schubladen und Ressentiments, denn aus meiner Sicht brauchen wir dringend mehr Mitte und mehr Konsens. 

Für viele Leser:innen erscheint es gerade so, als wäre das Zeitalter der nachhaltigen Transformation vorbei. Schon macht der Begriff „Greenhushing“ die Runde. Die Lage ist aber besser als es scheint. 

„Greenhushing“ hat seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump deutlich zugenommen. Dabei spielen Unternehmen ihre Bemühungen um Nachhaltigkeit und ihre Umweltziele oder ihre erzielten „grünen“ Erfolge bewusst herunter bzw. veröffentlichen diese gar nicht mehr, aus Sorge vor staatlichen Repressalien oder vor Kunden, die aus Prinzip Fortschritte ablehnen, wenn sie diese nicht verstehen. Das gilt besonders für den USA-Wirtschaftsraum. 

Die nachhaltige Transformation ist tot – es lebe die Nachhaltige Transformation!

Diese Überschrift ist eine Anlehnung eines Ausrufes aus dem alten Frankreich, mit der das Ende eines Königs bekanntgegeben und gleichzeitig der Nachfolger begrüßt wurde, um Kontinuität zu betonen. Das passt gut zur aktuellen Lage.

Wie entwickelt sich aber nun die nachhaltige Transoformation?

Zwar gibt es moderate und auch nennenswerte Modifikationen in der EU-Gesetzgebung, doch die Fundamente des Green-Deal (bzw. zunehmend Clean Industrial-Deal) bleiben stehen. 

Alternativtext EUDR, Aus Beitrag heraus

Die EUDR schützt insbesondere Natur- und Bestandswälder vor der unkontrollierten Abholzung z. B. für die Lebensmittelproduktion, für Tierfutter und verschiedene Produkte aus Holz.

Ich bin sicher: Die Kontinuität bleibt uns erhalten.

Je weniger wir die Lage emotional und je stärker sachlich bewerten, desto schärfer wird dieses Bild. Bedingung für diese Klarheit ist aus meiner Sicht eine interdisziplinäre Betrachtung aus verschiedenen politischen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Perspektiven: So unparteiisch, wie auf UmDEX als neutrale Fachinitiative üblich.

Generell gilt: Die nachhaltige Medienproduktion ist weder Ideologie noch Poesie, sondern zuallererst betriebswirtschaftlicher Pragmatismus, wenn auch auf Basis von Werten und Haltung.

In der UmDEX-Tabelle setzen wir seit Jahren auf handfeste, vergleichbare, international längst etablierte und anerkannte Unternehmens- und Produktzertifizierungen. Denken wir an DIN/EN/ISO-Normen, EMAS, den Blauen Engel und so weiter. Diese sind unbestritten und stehen teils seit mehr als zehn Jahren für bestmögliche Nachhaltigkeit bei der Produktion von Druckerzeugnissen. Diese Standards werden weder verschoben, eingestellt oder modifiziert. Sie sind und bleiben feste Größen der nachhaltigen Medienproduktion und bieten eine solide Orientierung beim Einkauf nachhaltigen von Druckprodukten.

UmDEX basiert auf diesen seit Jahren bestehenden Typ-1-Labels und weiteren, etablierten Faktoren.

 
Fiktives Bild einer nachhaltigen Druckerei mit großem Parkplatz, Ladesäulen und Windmühlen im Hintergrund.

Druckereien der sogenannten UmDEX-Klasse produzieren Druckprodukte auf Basis hochwertiger, international anerkannter Produktzertifikate wie dem Blauen Engel DE-UZ 195 und können weitere Unternehmenszertifikate wie z. B. EMAS vorweisen. Bildquelle: UmDEX.

Weniger gewachsen und sattelfest ist es bei einigen EU-Regularien, die zwar auch für die grafische Industrie relevant sind: Doch erschüttern entsprechende Modifikationen oder Verzögerungen des Gesetzgebers die bestehenden Standards kaum. 

Nach meiner Auffassung sind zehn Fakten besonders nennenswert:

Fakt 1: Die EU ist nicht die Welt

Den einen sind die Anforderungen im Umfeld der nachhaltigen Transformation zu hoch. Und andere fordern sogar noch mehr Regulierung, ungeachtet des globalen Wettbewerbs. Nicht wenige, die mehr Regulierung fordern, sind davon selbst gar nicht betroffen. Trump- und AfD-Bashing mag verständlich erscheinen. Doch das allein, gepaart mit Trotzigkeit und einer Poetisierung vieler Regularien der nachhaltigen Transformation, führen nirgends hin. Das wissen wir mittlerweile. 

Umgekehrt sind die meisten Regularien ganz sicher keine Auslöser für die Wirtschaftsschwäche Deutschlands, eher im Gegenteil. Die Welt wandelte sich von einer Uni- in eine Multipolarität: China ist heute eine Weltmacht – auch bei der nachhaltigen Transformation. Das Umfeld der Digitalisierung mit ständig neuen KI-Generationen ist volatil. Die KI wird dramatisch viele Jobs auch in der grafischen Industrie ersetzen – das Ausmaß haben die meisten Agenturen nach meiner Überzeugung noch nicht erfasst. Auch für Unternehmen aller Größen bringt die KI nur schwer bis gar nicht berechenbare Untiefen mit sich.

Die Digitalisierung boostert die Globalisierung seit Jahren. Zudem streben Hunderte Millionen Menschen überall auf der Welt unseren Lebensstandard an. Ohne Verteilungskämpfe oder wahlweise Verzichte in reicheren Wirtschaftsräumen ist das faktisch nicht möglich. Daneben: Dramatische Kriege, in die unvorstellbar hohe Summen fließen. Steuergelder!

Inmitten dieses Tohuwabohu geht uns in Deutschland die Begabung zur Kompromissfähigkeit aus. Angst und Doktrinen regieren die Debatte. Und immer mehr Hass und Hetze als ein Ausdruck von Überforderung und unbewältigter Angst. 

Fakt 2: Im Real-Life-Check ist Nachhaltigkeit rentabel

Trotz aller Unkenrufe rechtspopulistischer Parteien rund um den Globus, mitsamt der Leugnung des Klimawandels und der scheinbaren Lust auf fossile Energieträger etc.: 

Der Stabilitätsfaktor bei alledem ist, dass es handfeste Wahrheiten gibt: Klimatologisch und betriebswirtschaftlich. 

Diese Wahrheiten sind der Fels in dieser Brandung, denn sie sind wissenschaftlich evident und belastbar nachgewiesen, z. B.: 

  • Exponentieller globaler Temperaturanstieg: Es gab sie schon immer, die Klimawandel. Aber nie – auch nicht auf einer Timeline von Zehn- oder Hunderttausenden von Jahren – stieg die globale Temperatur derart schnell: Das ist wissenschaftlicher Konsens (Klimaarchive wie Baumringe, Korallen, Eisbohrkerne, Sedimente und Gesteinsproben, Messungen seit dem frühen 17. Jahrhundert sowie Überlieferungen aus alten Schriften etc.). 
  • Folgekosten Klimawandel: Hunderte Millionen Menschen werden zwangsweise zu Klimaflüchtlingen. Die Kosten nach extremen Wetterereignissen werden exorbitant steigen. Das sagen keine Klimahysteriker. Das wissen und belegen Expert:innen z. B. von der Münchener Rückversicherung, die die Kosten für Extremwetterereignisse akribisch erfassen und dokumentieren. 
  • Die Nachhaltige Transformation ist betriebs- und volkswirtschaftlich tragfähig und zunehmend führend. Die Preise und Leistungen von Batterien haben sich laufend verbessert. Wärmepumpen etablieren sich mittlerweile als wirtschaftlich sinnvoll. Bei der E-Mobilität werden aktuell bahnbrechende Fortschritte gemacht. Und auch die Energieeffizienzen von Solar- und Windkraftanlagen verbessern sich rasend schnell. Im Jahr 2024 wurde in Deutschland der Bruttostromverbrauch zu 54,4 % durch erneuerbare Energien gedeckt. 

Für Volkswirtschaften bedeutet die Transformation Energiesouveränität, Regionalisierungseffekte bei der Energieversorgung und Arbeitsplatz- sowie Wirtschaftseffekte in der Green Economy etc. 

Keine Regierung mit Verstand wird an diesen tragenden Säulen einer modernen Wirtschaft ernsthaft sägen

EU-Gebäude, vor dem verschiedene Fahnen wehen, auf denen "European Green Deal" steht

Die EU gilt für Investitionen und bei den Standortfaktoren als eine der sichersten Regionen weltweit. Das ist insbesondere auch die Folge (bisher) vergleichsweise strenger, nachhaltiger Regularien. Bildquelle: UmDEX

Fakt 3: Populisten bremsen den Fortschritt. „Back to the Roots“ ist eine utopische Realität

Trotzdem boomt der Populismus, der von einer immer häufiger unverstandenen Komplexität profitiert: Je dramatischer die Veränderungen, desto größer ist verständlicherweise die Sehnsucht nach einfachen Antworten. Dieses Bedürfnis können populistische Parteien verbal, aber nicht praktisch befriedigen. 

Auch demokratische Parteien mit Regierungsverantwortung können keine einfachen Antworten geben – sondern umständlich erscheinende Antworten, weil es in der Demokratie keine Wunder gibt – und keine Problemlösung von heute auf morgen. 

Mit der nötigen Niederträchtigkeit lässt sich diese Angst und der Frust von Menschen zu Wählerstimmen wandeln, etwa: 

Zurück nach gestern, denn früher war alles besser? Das ist der billige Trick mit den Schuldzuweisungen. 

So ehrlich müssen wir sein: Nicht alles, was Populisten äußern, ist falsch, aber oft vorsätzlich auch nicht vollständig: „Klimawandel gab es schon immer“? Das stimmt. Das begründet aber nicht, warum dieser Klimawandel in bisher nie dagewesenem Tempo geschieht. „Illegale Migranten an der Grenze festsetzen“? Viele würden wohl zustimmen, nur hat die deutsche Grenze knapp 4.000 Kilometer Länge, ist also weitgehend offen – natürlich wissen das auch Populisten. „Zurück zu russischem Gas“? Schon mittelfristig wäre dies eine sehr teure Lösung und kostet uns viel Geld, nebst der angestrebten Energie-Souveränität. Und so geht es weiter. 

Dass Populisten Fakten mit Halbwahrheiten kontern oder unbegründet bestreiten, erinnert an Hütchentricks. 

Häufig sind Falschinformationen oder Halbwahrheiten die Basis für darauf aufbauende penetrante Schuldzuweisungen, etwa: Die Ursache für wirtschaftliche Schwäche liegt allein am politischen System der EU, insbesondere an den Regularien zur nachhaltigen Transformation. Gäbe es diese Regularien nicht, würden die jeweiligen Volkswirtschaften deutlich besser dastehen. Wenn solche Mantras auf Basis vorsätzlich falscher Informationen oft genug wiederholt werden, lassen sich nach Schätzungen von Wahlforschern bis zu 40 Prozent der Wähler:innen verführen. Die nachhaltige Transformation wird in ihrer Gesamtheit und ohne die gebotene Differenzierung verteufelt. 

„Diese nachhaltige Transformation“ ist ein Teufelszeug!” 

Ein Back to the Roots, so die Anspielung, resettet alles wieder auf den Status von 1985 – eine tolle Zeit, nicht wahr? Schnell erscheinen Bilder vor unseren inneren Augen. Klar! Da wollen wir wieder hin – zurück in diese Komfortzone. Vielen Wähler:innen scheint allein schon die Hoffnung darauf – eine reine Illusion davon – zu genügen. So funktioniert das rechtspopulistische Geschäftsmodell. 

Manko: Das mit dem Reset bleibt eine Utopie.

Im Art. 2 Abs. 2 und Abs. 1 des Grundgesetzes heißt es, dass es nicht strafbar ist, sich selbst zu verletzen. Andere zu verletzen aber schon. Anders bei den Wahlen: Hier ist es nicht strafbar, Populisten zu wählen, ungeachtet der Nachteile, die sich dann auch für andere ergeben könnten.

Fakt 4: Andere Länder sind oft ambitionierter und mutiger

Zurück zur Realität: Reale Gründe für die Wirtschaftsschwäche auch hierzulande sind auch, aber bei weitem nicht nur bestimmte Direktiven auf dem Weg zur nachhaltigen Transformation. Wie unter Fakt 1 erwähnt, zählt die Globalisierung zu den Kernfaktoren für die Wirtschaftsleistung. Und der Umstand, dass andere Länder mittlerweile gute, teils auch bessere Produkte erheblich günstiger herstellen können. Ein Zurück nach gestern würde viele deutsche Produkte erst recht vom Export in wichtige Weltmärkte abschneiden. In China z. B. interessiert sich kaum noch jemand für Verbrennungsmotoren aus dem Exportland Deutschland. 

Ein gutes Beispiel liefert die Schreibmaschine. Wie klang es noch Anfang der 1980er-Jahre? 

Die Schreibmaschine wird kaum durch Personalcomputer mit Textverarbeitungssoftware zu ersetzen sein! 

Computer? Diese Geräte hätten, so wurde argumentiert, zu viele anfällige Komponenten und bräuchten sogar Strom, nebst einem separaten Drucker. Niemals, so war sich die Industrie seinerzeit ziemlich sicher, würden Personalcomputer die Schreibmaschine vollständig ersetzen können. Und genau das ist passiert, nur ohne die zögernde deutsche Wirtschaft – und die Schreibmaschine verschwand. Der Vergleich solcher und weiterer verpasster Chancen verdeutlicht die Bedeutung der nachhaltigen Transformation fürs Klima und die Wirtschaft, natürlich auch in der Druckbranche. 

Deutsche Verbrenner-Nostalgie hin oder her:

EU-Fahne vor Gebirgslandschaft

Die EU steht vor großen Herausforderungen. Einerseits gelten die Regularien pro nachhaltiger Wirtschaft als Stabilitätsfaktor, andererseits leiden Unternehmen in der EU teils darunter, dass internationale Wettbewerber mit weniger Restriktionen wirtschaften können. Bildquelle: UmDEX.

Viele Menschen macht Angst, wie rasend schnell sich die Welt gerade ändert. Nur ist Hoffnung kein tragfähiges Konzept in der Realwirtschaft. Populisten könnten das Blaue vom Himmel versprechen, solange sie nicht selbst in der Regierungsverantwortung stehen. Und wenn? Dann gibt es eine Neubewertung. Vielleicht so, wie jetzt bei der CDU:

Fünfter Fakt ist: Regieren heißt Normalisieren

Ist die schwarz-rote Koalition ein getarntes Habeck-Plagiat? Wie erwähnt: Es gibt nur eine Wahrheit. Jedenfalls scheint es mit Blick auf die politischen Agenden oft nahezu beliebig, welche Partei gerade amtiert. Die italienische Regierungschefin, Giorgia Meloni, von hiesigen Medien kürzlich noch als Rechtsextremistin bezeichnet, liefert ein gutes Beispiel dafür, was in puncto Migration tatsächlich von dem umgesetzt wird, was vor den Wahlen versprochen wurde: Meloni hat ihr Kernthema Migration einfach nur externalisiert und diplomatische Abkommen in den Vordergrund gestellt. Italien und die EU zahlen nun u. a. Tunesien und anderen Ländern jährlich Milliardenbeträge u. a. für Lager außerhalb der EU. Auch für verschärfte Grenzkontrollen – eine milliardenschwere „Entwicklungshilfe“ also, die zwar ausgrenzt, aber leider nichts entwickelt und die Gründe für Migration sogar noch verstärkt. 

Fakt 6: Übereinstimmungen zwischen der Union und den Grünen

Und Friedrich Merz? Die Grünen haben Themen rund um die Nachhaltigkeit nicht gepachtet. Viele Ideen der Merkel-Regierung wurden von den Grünen begrüßt, sogar adaptiert. Ideen der vorherigen Ampel-Koalition leben nun wiederum in der amtierenden Regierung fort – jeweils oft so, als wäre nichts gewesen. Warum ist das so? Wie erwähnt: Weil es nur eine Wahrheit gibt: Die nachhaltige Transformation wird nach den Kriterien von Beständigkeit, Rendite und Sicherheit bewertet. Nur einige Beispiele dafür, dass Parteipolitik weit weniger Gewicht für oder gegen die nachhaltige Transformation entfaltet, als oft vermutet: 

  • Der Deutschland-Fonds, der aus Schulden finanziert werden sollte, wie von Habeck vorgeschlagen und von Merz heftig kritisiert, wird aktuell umgesetzt, heute als „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität” bezeichnet. 
  • Atomkraft: Das Abschalten des letzten Werkes (der Ausstieg wurde von der Merkel-Regierung beschlossen), wurde ebenfalls von Merz kritisiert, ohne sich für den Fortbestand dieser Energieform einzusetzen. Verständlich, denn Atomstrom ist mittlerweile weltweit der teuerste Strom. 
  • Windkrafträder: Bezeichnete Merz damals noch als „hässliche Übergangslösung“. Derselbe Merz vollzog nach Amtsantritt eine Abkehr – von sich selbst, nicht von Habeck: Den beschleunigten Ausbau von Solar- und Windparks hat man nicht gestoppt, sondern fortgesetzt. 
  • Wärmepumpen: Sie waren ein viel kritisiertes Habeck-Projekt. Allerdings: Die Förderung bleibt in diesem und nächsten Jahr stabil, freut sich der Bundesverband Wärmepumpe. Die Wärmepumpe lebt. Sie hat nur die politische Farbe gewechselt. 
  • Stahl: Habeck hat den grünen Stahl massiv subventioniert. Merz seinerzeit: „Ich glaube persönlich nicht, dass der schnelle Wechsel hin zum wasserstoffbetriebenen Stahlwerk erfolgreich sein wird.“ Merz heute: „Deutschland braucht auch in Zukunft eine moderne Stahlindustrie, hin zur grünen Stahlindustrie.“

Fakt 7: Schubladen sind meistens falsch beschriftet

Schon Begrifflichkeiten wie „Ökodiktatur“ oder der Umstand, dass das Wort “Lobby” zum Schimpfwort mutiert ist, zeigen, wie emotionalisiert und unsachlich die Debatte hierzulande geworden ist. Schnell werden Schubladen beschriftet. Doch Fakt ist auch: Kein Verein, Verband, keine NGO und keine Berater:innen, Blogger:innen, Influencer:innen, nicht einmal Zertifizierungsunternehmen und Organisationen wie der TÜV sind völlig frei von Befangenheiten. Jede Aussage dient auch dem eigenen Geschäftsmodell. Für eine reale Bewertung müssen Aussagen und Forderungen entsprechend gefiltert werden: 

Wie sachlich ist also die jeweilige Kritik wirklich?  

Da gibt es die Guten und Bösen. Links und rechts. Für uns oder gegen uns. Die Industrie ist zumeist böse, Umweltorganisation sind üblicherweise die Guten. Es bilden sich Bubbles und Meinungshochburgen, aus denen heraus sich die jeweiligen Gefolgschaften kompromisslos beschießen, nur: So einfach ist das nicht. Das zu verstehen, ist eine Grundlage für eine Einschätzung des Fortbestands der nachhaltigen Transformation. Die Doktrin „Links-versus-Konservativ“ löst sich häufig nicht auf. 

Zum Beispiel kritisieren die Konservativen heute diverse EU-Direktiven zum Green Deal als zu komplex. Doch entstanden diese zumeist im Zeitraum der 16-jährigen Regierungszeit von CDU/CSU – von 2005 bis 2021. Teils unter FDP-Beteiligung. Das Mantra, die Grünen, namentlich Habeck als installierte Hassfigur, sind durch zu viele Regularien für die schlechte Wirtschaftsleistung Deutschlands ursächlich, ist also eine DRAMATISCHE Fehlinterpretation! 

Buch auf dem steht: EU-Directives und: Green Deal

Für die einen sind die EU-Direktiven noch nicht streng genug, andere fordern Entlastung. Die Politik muss zwischen den Bedarfen unterschiedlichster Gruppen abwägen und Kompromisse finden. Bildquelle: UmDEX.

Niemand hat die Absicht, eine Ökodiktatur zu errichten!?

Die meisten Direktiven waren längst da oder in Planung, bevor Habeck Wirtschaftsminister wurde. Zwar hat er die Vorhaben ambitioniert vorangetrieben – zu ambitioniert, wie er selbst resümierte – doch im letzten Jahr seiner Amtszeit war eine deutliche Entlastung avisiert, Stichwort „Kettensäge“. Mit „Omnibus“ und „VSME“ sind nun zwei unterschiedliche Regularien entstanden, die genau darauf abzielen, Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – im Bereich der Nachhaltigkeit und Berichterstattung zu entlasten – von der amtierenden Regierung mitgetragen. Für einige ist dies ein Rückschritt, andere bezeichnen es als einen gewachsenen, demokratischen Prozess. Zumal: 

Fakt 8: Modifikationen sind politische Prozesse in Demokratien, kein Drama

  • Das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz ist nicht vom Tisch. Es soll 2026 mit der CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive) harmonisiert werden. Es erscheint mir auch nicht so, dass dem Gesetzgeber plötzlich Menschenrechte völlig egal wären, wie teils kontatiert. Laut Rechenschaftsbericht für das Jahr 2023 hat das BAFA 492 Prüfungen von Amts wegen bei verpflichteten Unternehmen durchgeführt. Insgesamt gingen nur 30 Beschwerden ein. Strafen wurden bis dato gar nicht verhängt. 

Bisher also zu viel Aufregung für zu wenig Praxistauglichkeit? 

  • Auch Das Einfrieren der Green Claim Directive wird in bestimmten Kreisen als Drama bewertet. Unbestritten ist, dass die vorerst ausbleibende EU-Direktive sehr ungünstig für nachhaltige Unternehmen ist. Ein EU-weites Gesetz, gerade mit Fokus auf übertriebene Aussagen zur Nachhaltigkeit, auch in der Druck- und Medienbranche, würde erhebliche Vorteile für nachhaltige Unternehmen mit sich bringen.
    Doch selbst die bestehenden rechtlichen Rahmen werden real eher selten genutzt. Das Problem: Es gab und gibt viele Greenwasher, demgegenüber aber viel zu wenige Kläger: So bleiben die Wirkungen von Gesetzen wie dem gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) und dem Verbraucherschutzgesetz (VSchG) weit unter den Möglichkeiten. Beide Gesetze verfolgen teils ähnliche Ziele, auch den Schutz vor Greenwashing, wie eine erfolgreiche Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen Apple zeigt. Allerdings: Wo sich in der Praxis keine Kläger finden, kommen Strafen nicht zur Geltung. Die Frage ist, ob sich das mit der Green Claim Directive (GCD) deutlich ändern würde. Dafür braucht es nicht nur das Gesetz, sondern auch agile Instanzen zur Umsetzung. 
  • Auch die EUDR ist nicht weg. Sie wurde nochmals verschoben. Das Trudeln des Gesetzgebers darf kritisiert werden. Vertrauen erodiert und, so berichtet der WWF, mehr als 30 Millionen Bäume würden wegen der Verzögerung verloren gehen. 

Ich denke jedoch nach wie vor: Parteien in Deutschland und der EU wechseln, kluge Gesetze wie die meisten zur nachhaltigen Transformation aber bleiben – wenn auch modifiziert – oder kommen etwas später. 

blank

Fakt 9: Investitionen in die nachhaltige Transformation sind zumeist sicher 

Auch, wenn es derzeit so scheint: Es gibt auf den zweiten Blick wenig fundamentale Gründe, die andeuten, dass Investitionen in die eigene nachhaltige Transformation rückblickend umsonst gewesen sein könnten. 

Ohne Wahlkampfgetöse, Populismus, das Geschrei einiger Lobbys sowie gelegentlicher Überspitzungen gewisser Verbände und NGOs ergibt sich ein klares Bild.

Die weltweite Marktgröße für die nachhaltige Finanzierung wurde beispielsweise im Jahr 2024 mit rund 5,7 Billionen USD bewertet, mit erwartetem starkem Wachstum in den kommenden Jahren.

Das weltweite Nettovermögen in nachhaltig fokussierte Fonds erreichte Ende 2023 einen Gesamtwert von 2,6 Billionen Euro, wobei Europa als Marktführer gilt. Tendenz nach wie vor stark steigend.

Da sind viele rentable Unternehmen der Green Economy noch gar nicht eingepreist. Banken in der EU und auch in den USA werden nicht nur nach wie vor, sondern verstärkt bei Finanzierungen – auch gegenüber dem Mittelstand – auf Umwelt-Ratings achten, kurz: Nachhaltigkeit steigert die Kreditwürdigkeit signifikant.   

Fakt 10: Die Ressentiments des Führers der westlichen Welt sind ein temporäres Phänomen

Eine Gesamtabwägung lässt aus meiner Sicht keinen drohenden Riss des grünen Fadens erkennen, ungeachtet amtierender Regierungen – temporär abgesehen nur von den USA. Dort regiert gerade ein Präsident, der u. a. Wahlkampfschulden gegenüber der fossilen Industrie zurückzahlen muss und sich über seine Familie ungeniert in unvorstellbarem Ausmaß bereichert. 

Doch die Opposition ist zwar weniger laut, jedoch höchst aktiv. Zum Beispiel in einer Eingabe beim Bundesgericht in Washington, D.C. bezeichnen seine Gegner die Anordnung zum Baustopp von Offshore-Windparks als „gesetzlich nicht gedeckt“. Connecticuts Generalstaatsanwalt William Tong sprach bei einer Pressekonferenz von einer „völlig rechtswidrigen, unbegründeten und, offen gesagt, sinnlosen und dummen“ Maßnahme, berichtet das Handelsblatt. Man werde sich entschieden gegen Trumps „Krieg gegen Windkraft und gegen die Stromkunden“ zur Wehr setzen. 

Schon Trumps Hirngespinst, 2027 alle Förderungen für neue grüne Projekte einzustellen, dürfte, so sind sich Experten sicher, an den Midterm elections 2026 (traditionell der erste Dienstag im November), den Zwischenwahlen in den USA scheitern. Es besteht kaum Zweifel, dass hier die Demokraten wieder das Zepter im Repräsentantenhaus übernehmen. 

Selbst immer mehr MAGA-Anhänger denken, dass Trump außer Kontrolle geraten und bestrebt ist, eine USA-Oligarchie zu installieren. Die Folge: Donald Trump verliert immer mehr Unterstützung in der eigenen Bevölkerung, wie die Frankfurter Rundschau im Oktober 2050 zusammenfasst – seit seinem Amtsantritt mehr als minus 17 Prozent. 56 Prozent lehnen Trump mittlerweile ab, nur noch 39 Prozent äußern Zustimmung, Tendenz fallend. 

Die USA sind derzeit kein sicherer Hafen für zukunftsorientierte Investitionen, in einem Umfeld, in dem sich wenige Oligarchen in historisch unvergleichlich maßloser Weise bereichern. 

„Demokratie ist die schlechteste Staatsform – mit Ausnahme aller anderen“

Was Winston Churchill mit diesem Satz meinte, spiegelt, was wir heute erleben. Wir können das Trudeln in der Gesetzgebung als Unfähigkeit einzelner Personen oder von Organisationsstrukturen abkanzeln oder es auch als schwierigen, aber notwendigen Prozess einer gewachsenen Demokratie bezeichnen. Wir können gut finden (oder nicht), dass die EU-Legislative auf Kritik eingeht und im Dialog mit der Wirtschaft steht. Wir können die bereits bestehenden Regularien zur nachhaltigen Transformation als grüne Schnapsidee abtun oder als über viele Jahrzehnte gewachsene Strukturen würdigen, die schon jetzt enorme Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit sich bringen. 

EU Gebäude im Hintergrund. Zu sehen sind Fahnen auf denen steht, dass Nachhaltigkeit die Zukunft ist.

Die Schnittmenge zwischen dem, was einige industrielle Instanzen fordern und dem, was die Wirtschaft generell bereit ist, für den Klima- und Umweltschutz zu leisten, ist groß genug, um daraus ein politisches Konzept zu entwickeln, wenn ausreichend Kompromissbereitschaft besteht. Bildquelle: UmDEX.

Kürzlich bekam ich eine E-Mail von den Grünen: Schon der erste Satz stört mich: 

„Hallo Jürgen, auf die Blockade der Energiewende durch die CDU folgt der Angriff auf den Klimaschutz an sich.“

Ich sehe das anders! Natürlich müsste es schneller vorangehen. Aber wie eingangs bereits gelistet, passiert einiges, aber leider langsamer. Das gefällt mir auch nicht! Es löst aber in mir keine Frontalopposition aus. Nach wie vor gibt es Bundesländer, in denen schwarz-grüne Bündnisse gut funktionieren. Das ist der richtige Ansatz, vor allem gegen Populismus. 

Wie reagieren wir also auf unsere EU-Demokratie? Genervt? Erwachsen? Realistisch? Erkennen wir die Chancen, etwa die EU, den größten Binnenmarkt der Welt, als sicheren Hafen für nachhaltige Investitionen zu stärken? Gelingt es uns sachlich zu bleiben? Die Dramatisierungen und Übertreibungen aus dem Sachverhalt herauszufiltern und auf die Substanz zu fokussieren? 

Nachhaltigkeit ist keine Poesie. Grüne Politik ist keine Spinnerei. Die Industrie ist nicht per se ein Hemmnis, sondern häufiger als gedacht Partner – das sehen wir in allen Branchen, besonders auch in der Druck- und Medienbranche. 

Industrie und Legislative als Partner. Beispiel: Greenhouse Gas Protocol 

Nur ein Beispiel: Das legendäre Universum rund um die CO₂-Emissionsberechnungen ist das Greenhouse Gas Protocol (GHG). Es wurde 1998 als gemeinsame Initiative des World Resources Institute (WRI) und des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) ins Leben gerufen. Das WBCSD wurde von Stephan Schmidheiny, einem Schweizer Unternehmer gegründet und ist ein Bündnis internationaler Unternehmen, das sich für eine nachhaltige Wirtschaft einsetzt. Schmidheiny übernahm 1974 die Verantwortung für die Schweizer Eternit-Gruppe und trieb dort den Ausstieg aus der Asbestverarbeitung voran. Er war an der Gründung der Swatch Group beteiligt und Verwaltungsrat bei Schweizer Großunternehmen wie ABB, UBS und Nestlé. Beim Energiegipfel in Rio de Janeiro wurde er 1992 als Hauptberater für Wirtschaft und Industrie zum Generalsekretär der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) ernannt. Ein Industrieller also, der maßgeblich an der Begründung des heute elementaren Greenhouse Gas Protocol beteiligt gewesen war. 

Auch der Club of Rome wurde von Unternehmern mitbegründet: 1968 von dem italienischen Industriellen Aurelio Peccei und dem britischen Wissenschaftsmanager Alexander King in Rom. Das Ziel: Die Menschheit vor Herausforderungen und Problemen zu warnen, die heute leider Realität geworden sind.  

Im Jahr 2024 war der zweitgrößte Finanzier der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill & Melinda Gates Foundation, mit rund 662,5 Millionen Euro. Ist das gut? Kann das überhaupt schlecht sein? 

Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Vernetzung zwischen Politik und Wirtschaft nicht nur üblich ist, sondern, dass auch bedeutende Standards rund um das Nachhaltigkeitsmanagement im globalen Maßstab und auch historisch betrachtet (vgl. 6.1) oft direkt aus dem Umfeld der Industrie kommen. Sicher ist: Es gibt die engagierten und nachhaltigen sowie die egoistischen und umweltschädlichen Industrien. Doch selbst innerhalb der umweltschädlichen Industrien dürfte es, wie z. B. in der Stahlindustrie, Konzerne geben, die gute Absichten hegen.

Das Gute an internationalen Standards wie dem Greenhouse Gas Protocol, den ISO-Normen, den Sustainable Development Goals, der Global Reporting Initiative und so weiter ist vermutlich gerade die Kollaboration aus Wirtschaft und Legislative. Nur so können Standards auch international wurzeln. 

Regulierungen: Belastet? Betroffen? Beteiligt?

Regularien der nachhaltigen Transformation verstärken Jahr für Jahr die Belastungen für die heimische Wirtschaft und machen den Standort im internationalen Wettbewerb teils unattraktiver, wenn vergleichbare globale Standards fehlen.

Buch auf dem steht: EU-DR

Das größte Hemmnis bei den meisten EU-Direktiven ist der internationale Wettbewerb. Oft wird gefordert, dass Unternehmen, die nicht EU-reguliert sind, stattdessen im EU-Wirtschaftsraum durch Zölle oder Abgaben belastet werden, um einen Ausgleich zu schaffen. Bildquelle: UmDEX.

Demgegenüber zeigen sich die deutsche und die EU-Wirtschaft als sichere Häfen, wenn es um bodenständige, klare Rahmenbedingungen für Unternehmen und um faire Gesetzgebungsverfahren geht. 

Aktuelle Anpassungen und Korrekturen, wie zuletzt beim Lieferkettengesetz, laufen den Nachhaltigkeitszielen zwar zuwider. Wir werden sie aber ertragen müssen: Zwei Schritte zurück und alsbald wieder drei nach vorne. 

Vollständige Harmonie im Sinne der eigenen Ansichten und Wünsche? Das ist eine Utopie auf unserer Bucket-List.

Die nachhaltige Transformation wird sich deutlich intensivieren. Überall auf der Welt sind nachhaltig treibende Kräfte höchst aktiv. Nach wie vor, sogar mehr denn je, befürwortet die Mehrheit europäischer Führungskräfte strengere Nachhaltigkeits- und Sorgfaltspflichtregeln. Auch die Nachfrage nach fairen, nachhaltigen und klimafreundlichen Produkten und Dienstleistungen wächst – Verbraucher:innen erwarten von Unternehmen, dass sie eine Vorreiterrolle einnehmen: 82 Prozent der Befragten einer repräsentativen Studie von Getty Images sind der Meinung, dass Firmen beim Umweltschutz aktiv(er) werden sollten

Es gibt eine sehr agile Allianz nachhaltiger Verbände, Unternehmen und Organisationen. 

Viele Technologien, wie die E-Mobilität, sind gesetzt. Die Green Economy ist heute ein gigantischer Wirtschaftsmotor.  

Von David und Goliath

Wo stehen wir also mit Blick auf aktuelle Gesetze? Im zweiten Teil möchte ich die aktuelle rechtliche Lage in Deutschland und der EU anhand einzelner konkreter Gesetze thematisieren. Die Druckerei Janetschek aus Heidenreichstein in Österreich zählt für mich zu den nachha ltigsten Druckereien in der EU. Das Unternehmen ist familiengeführt. Vater Erich Steindl und Sohn Daniel Steindl sind für mich der Inbegriff solcher Unternehmer, die auf Basis von Werten und Haltung wirtschaften. 

Für Daniel Steindl ist selbstverständlich, dass sein Unternehmen einen kombinierten Nachhaltigkeitsbericht (nach VSME-Vorgaben) mit EMAS Umwelterklärung verfasst und publiziert. Obwohl das Unternehmen gar nicht zu einer so umfangreichen Berichterstattung verpflichtet ist.

Das Unternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeitende und zeigt den großen Konzernen, die häufig über die große Last der Berichterstattung klagen, dass es auf die richtige Einstellung ankommt. Daniel Steindl verfasst sowohl die EMAS-Umwelterklärung als auch den Nachhaltigkeitsbericht weitgehend selbst.

„Mir bietet die Berichterstattung einen sehr guten Überblick über wichtige Kennzahlen des Unternehmens. Für mich ist das auch Pragmatismus, jedenfalls sicher keine Poesie. Dieser Überblick bietet uns unternehmerische Navigation und zeigt uns konkret, wo wir Ressourcen einsparen können“, so der Jungunternehmer.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Jürgen Zietlow

Jürgen Zietlow

Datenanalyst, Fachjournalist, Unternehmensberater für nachhaltige Kommunikation

Fokus-Slider f. alle Bereiche
Menschen, die der nachhaltigen Transformation und ihren Gründe skeptisch gegenüberstehen, hegen manchmal auch Zweifel am Green Deal – unweit der Frage, wie wichtig die nachhaltige Medienproduktion ist. Was motiviert Druckereien wie Lokay, weit über gesetzliche Anforderungen hinaus nachhaltig zertifizierte Druckprodukte herzustellen – könnten sie sich doch einfach ein grünes Mäntelchen anziehen, so wie andere? Wissen schafft Klarheit – als Basis für Haltung und Werte. Weg frei für den Fortschritt!

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

DIESEN INHALT TEILEN: