Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG
Ökologische Avantgardisten der ersten Stunde

Im Umfeld von mehr oder weniger Tausenden Greenwashern unter den Druckereien ist es gar nicht schwierig, eine echte Ökodruckerei zu finden

Barbara Classen, Ulenspiegel Druck
Beitragsbild: Barbara Classen, Quelle: Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG

„Na, wieder so ein Greenwashing-Drucker“? So hat mich ein jüngerer Grafikdesigner beim Blick auf meinen Bildschirm gefragt und meine Recherche nach einer umweltfreundlichen Druckerei unterbrochen. Ich drehe mich zu ihm um: „Was denkst du? Ist das so einer? Wonach würdest du denn gucken, um das herauszufinden?“ „Wahrscheinlich würde ich erstmal nach offiziellen Zertifikaten gucken, also ob die nachweisen können, umweltfreundlich zu drucken“.

Wohl die meisten Printbuyer werden diese Methode wählen, so es ihnen wirklich ernst ist mit dem Umweltschutz. „Wie kommst du denn überhaupt auf dem Begriff Greenwashing“, wollte ich wissen. „ Kennst du doch selber. Diese ganzen Bio-Labels und Trusted-Shops-Dinger. Da wird auch viel geschummelt!“

Website Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG

Website einer der nachhaltigsten Druckereien in der D/A/CH-Region, Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG.

Umweltfreundlich und teuer?

Ich blicke wieder auf. „Ja, kenne ich die?“ Ich muss grinsen. „Sicher, da wird zweifelsfrei viel geschummelt. Es ist aber doch recht einfach, eine echte Ökodruckerei zu finden. Du hast doch gerade selber gesagt, dass du offizielle Labels suchen würdest.“

Auf meinen Schirm ist die Website von Ulenspiegel-Druck zu sehen. Wir klicken uns durch. „So, jetzt würde mich echt mal interessieren: sind die deiner Meinung nun umweltfreundlich oder Greenwasher? Du bist doch Kreativer. Stell dir vor, du hast da einen Kunden, der unbedingt nachhaltig drucken will. Du sollst ihm konkret eine umweltfreundliche Druckerei empfehlen. Jetzt bin ich gespannt, zeig mal.“

„Gut, bei der Druckerei ist das wohl eindeutig!“ „Was ist eindeutig?“ „Guck, hier bei über Unternehmen finden sich ganz offizielle Labels. Die sind gleich mehrfach zertifiziert.“ Nach Ansicht einiger weiterer Seiten, sein Resümee: „Hier kann ich sogar einen Umweltbericht runterladen. In der Ausbildung habe ich schon mal was von EMAS gehört. Da musst du dich als Drucker ganz schön reinhängen, um die Ziele zu erreichen. Klar sind die umweltfreundlich.

Wahrscheinlich auch vergleichsweise teuer!?“

Ich hake gleich nochmal nach: „Was denkst du denn, wie teuer die sind? Oder besser gefragt: wie viel teurer als andere Druckereien, nehmen wir mal einen bekannten Discounter?“ „Keine Ahnung. Kommt wohl auf die Drucksachen an.“

„Wieso? Meinst du, dass in 10.000 Broschüren mehr EMAS drinstecken als bei 1.000 Postkarten?“ „Ja, ne stimmt. Solche Labels kosten wohl nur einen festen Betrag für die Druckereien, egal, wie viel die insgesamt im Jahr produzieren, oder?“, klingt es einsichtig, aber dann: „Ist im Grunde aber auch egal, wann und wie die Kosten entstehen. Am Ende zahlt es wohl der Kunde.“

Wer interessiert sich
schon für echte Nachhaltigkeit?

Die Unterhaltung geht so weiter. Der gemeinsame Nenner ist, dass auch Bezeichnungen wie der „der Kunde“ oder auch „Umweltdruckerei“ absolut undifferenziert sind. Der Kunde fährt Mercedes S-Klasse oder Fahrrad. Der Kunde treibt dreimal die Woche Sport oder hängt jeden Abend vor der Glotze ab. Der Kunde ist Veganer oder isst vielleicht drei Kilo billiges Fleisch im Monat. Der Kunde fliegt für 40 Euro quer durch Europa oder hat begriffen, dass er damit auch am eigenen Ast sägt – früher oder später mit Folgen, auch für ihn selber. Der Kunde führt vielleicht einen Schnäppchenmarkt oder verkauft billiges Chinazeugs auf dem Wochenmarkt – dann wird er Print ebenso billig einkaufen.

Vielleicht betreibt er aber auch eine Bio-Bäckerei, ein hochwertiges, veganes Restaurant, verkauft nachhaltiges Gemüse oder produziert Bio-Kosmetik. „Die Nachfrage regelt das Angebot“, fasse ich meine Überzeugung zusammen.

Ich denke dabei an die Frage eines Kollegen vor kurzem, wer denn diese langen Beiträge hier liest. Die Antwort darauf ist ähnlich einfach: Die Leser, die das interessiert – viele Tausend Nutzer, jeden Monat. Ebenso, wie Autoren für solche Leser publizieren, die sich für die jeweiligen Thema interessieren, so produzieren echte Ökodruckereien für Printbuyer, die viel wert auf die Übernahme von Verantwortung legen.

Die Power der Identifikation

Meine persönliche Schlussfolgerung:

Für gewerbliche Drucksacheneinkäufer, die ihre Produkte und Dienstleistungen in derzeit fast überall gesättigten Märkten absetzen wollen, sind Verantwortung und Rücksicht elementare Zutaten, bezogen auf das Marketing, die Bindung von Stammkunden, die nach Identifikation suchen und insgesamt für die Außenwirkung, also das eigene Image.

Da sich immer häufiger Umweltlabels auf Drucksachen finden, teils sogar mehrere, sind keine Labels auf einer Drucksache mittlerweile ähnlich auffällig, wie solche an präsenter Stelle, vg. No-Label.  

Kein Unternehmen kann sich durch den Einkauf von Discount-Print aus dem Massendruck ein gutes Image aufbauen, das geeignet wäre, aus umweltorientierten Kunden Botschafter der Marke zu machen. Doch nur, wenn Kunden wirklich von Unternehmen überzeugt sind, verbreiten sie gerne relevante Botschaften, zum Beispiel in sozialen Medien. Sodann geht ein Image viral!

druckfrisch, Magazin Ulenspiegel Druck

Druckfrisch ist ein Magazin, das die umweltorientierte Druckerei Ulenspiegel pro Quartal für seine Kunden publiziert. Behandelt werden vor allem aktuelle Themen aus dem Bereich der nachhaltigen Medienproduktion. Bildquelle: Ulenspiegel-Druck GmbH & Co. KG.

Ökoprint versus Greenwashing

Davon abgesehen, dass umweltschonend erzeugte Medien gar nicht so viel mehr kosten, als häufig angenommen wird, steht also immer eine bestimmte Motivation im Fokus der jeweiligen Entscheidung.

Wir sprechen über Preisleistung. Bekomme ich für den Mehrpreis das, was ich will, guten Gewissens verantworten und gegenüber meinen Kunden auch kommunizieren kann?

Ich frage den jungen Kreativen weiter, wobei ich die Antwort im Eifer gleich mitliefere:

„Was bekomme ich denn bei Druckereien wie Ulenspiegel? Klar, augenscheinlich Drucksachen. Soweit. Aber ich kaufe doch Drucksachen bei real nachhaltigen Printern ein, weil ich motiviert bin, dass zu tun. Seien es auch ursächlich egoistische Motive, in Bezug auf die Möglichkeit, damit selbst Verantwortung und ein Interesse am Umweltschutz zu dokumentieren. 

Ulenspiegel oder andere umweltfreundliche Druckereien, die mit dem UmDEX/print-Label ausgezeichnet sind, verkaufen im Kern etwas, dass du mit der richtigen Motivation weder in Papier- noch Druckpreisen aufwiegen kannst:

Emotionen und ziemlich starke Botschaften!

Für vielleicht 10, 15 Prozent mehr Druckkosten, kaufst du hochwertige und umweltfreundliche Medien, im Grunde aber eine

amtliche Bestätigung für deine eigene Einstellung – ein verifizierbares, gutes Image.“

Meistens bewegen sich die Kunden selber in einer sensibilisierten Branche und vermarkten entsprechende Produkte. Dann geben sich die eigenen Kunden nicht mit Fake-Labels zufrieden und wollen schon etwas mehr hören, als das übliche Geschwafel à la „Wir engagieren uns für den Umweltschutz etc.

  • Wie genau?
  • Mit welchen konkreten Schritten?
  • Wo werden Dienstleistungen und Materialien eingekauft?
  • Gibt es ethische und ökologische Leitsätze und so weiter.

Häufig wird auch im Internet recherchiert, zum Beispiel wo ein Unternehmen seine Werbung gedruckt hat, was der gewählte Druckdienstleister insgesamt leistet oder ob das verwendete Umweltzeichen sich zum Beispiel durch eine Identifizierungsnummer bestätigen lässt.  

„Leidenschaftliches“ Greenwashing

CO2-Kompensation von Drucksachen, also die Zahlung eines Preises für Emissionen, die während des Druckprozesses entstehen, ist prima, macht aber alleine natürlich noch keinen nachhaltigen Mediendienstleister aus. Druckereien, die nur damit aufwarten, agieren nicht ernsthaft nachhaltig und zudem leider häufig noch nicht einmal mit guten Absichten.

Auch die Solaranlage auf dem Dach einer Druckerei ist lobenswert. Doch auch hier ist klar, dass dies alleine kein Garant für einen real engagierten, nachhaltigen Druckdienstleister ist.

Es gibt keine klare Grenze zum grünen Fake-Marketing. Es gibt aber eine klare Abgrenzung zu echten Umwelt-Druckereien.

Der UmDEX (Umweltindex Druck) ist eine Initiative von Experten, Institutionen, Fachjournalisten und quasi amtlich bestätigt nachhaltigen Druckereien.

Die Summe der Leistungen zählt

Grundsätzlich lässt sich die Nachhaltigkeit eines Mediendienstleisters durch die Summe einzelner Bemühungen verifizieren, z. B.:

  • Es gibt nur wenige absolute Top-Labels oder Zertifikate, die eine Druckerei als real umweltfreundlich identifiziert, siehe UmDEX (Umweltindex Druck).
  • Achten Sie auf hochwertige unter den echten Labels: Umweltlabels wie der Blaue Engel werden sehr inflationär eingesetzt. Schon, wenn eine Druckerei irgendwann einmal derart etikettierte Papiere bedruckt hat oder es theoretisch zum Bedrucken anbietet, findet sich das Label dauerhaft auf der Website der Druckerei. Meistens sogar gut platziert. Wie man solche Labels von tatsächlich hochwertigen unterscheidet, finden Sie in dem Beitrag „Grün ist nicht gleich grün„.
  • Prüfen Sie, ob die Druckerei selber produziert. Ist keine klare Information erkennbar und stellt sich heraus, dass der Druckdienstleister bei Dritten produziert, ohne diese Produktionsstätten zu nennen, sind seine Aussagen in Sachen Umweltschutz ohnehin obsolet.
  • Wie kommuniziert der Dienstleister das Thema, z. B. in seinem Blog? Keine Kritik an Dienstleistern, die CO2-Kompensationen durch die Zahlung an Klimaschutzprojekte anbieten. Doch wenn sich Unternehmen alleine daran abarbeiten und immer wieder Bilder solcher Projekte zeigen, ist das noch kein Indiz für Nachhaltigkeit.
  • Welche nachhaltige Substanz hat der Dienstleister wirklich zu bieten? Welchen Mix an Gesamtleistungen im Umweltschutz?

Schon bei etwas genauerem Hinsehen wird deutlich, ob eine Druckerei tatsächlich an hochwertigen, nachhaltigen Dienstleistungen gelegen ist oder welche Unternehmen stattdessen grün waschen und eher in einen optisch bestmöglichen grünen Eindruck investieren.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal für Nachhaltige Medienproduktioner ist der Umgang mit Kunden.

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Das hauseigene Magazin „Druckfrisch“ beschäftigt sich auch mit aktuellen Trends, so zum Bespiel der LE-UV-Druck, bei dem genau betrachtet Sondermüll entsteht. Bildquelle: Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG.

Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG

Wir bleiben bei Ulenspiegel-Druck – nicht zuletzt, da ich in den vergangene zehn Jahren häufiger Kontakt zu Guido Rochus Schmidt, dem damaligen Geschäftsführer bei Ulenspiegel-Druck, hatte. Guido Schmidt ist mir seinerzeit als jemand empfohlen worden, der wirklich krasse Ansichten hat. Jemand, der nach Überzeugungen handelt, so wie das ganze Team dort.

Druckdienstleister wie Ulenspiegel, sind in Bezug auf die vorbezeichnete Summe einzelner Engagements in puncto Umweltschutz glaubwürdig und authentisch: Im Blog, im Umgang mit Kunden und vor allem durch die Summe der vorhandenen, hochwertigen Umweltzertifizierungen. 

Authentizität ist die DNA beim Umweltschutz. Das Ergebnis: Überzeugte Kunden. Begeisterte Kunden. Botschafter der Marke.

Drucksacheneinkäufer, deren eigenen Kunden das Thema Umweltschutz wichtig ist, würde es nicht riskieren, bei der Wahl einer Druckerei Kompromisse einzugehen, denn die würden schon bei oberflächlicher Recherche offensichtlich. Das Kern-Attribut Glaubwürdigkeit wäre dahin.

So handelt die Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG auch im Umgang mit den eigenen Kunden. Nicht erst seit gestern. Das Unternehmen war die erste Druckerei in Europa mit einer EMAS-Zertifizierung, eines der hochwertigsten Umweltzertifikate. Das Unternehmen wurde im Geiste einer Kommune gestartet und handelt im Innen- und im Außenverhältnis fair und nachhaltig, als integraler Bestandteil der gelebten Philosophie.

Nachhaltige Kundenzeitung

Die eigene Kundenzeitschrift „druckfrisch“ z. B. erscheint pro Quartal. 14 Ausgaben sind bereits entstanden. Das Besondere: Kunden, meist Kreativagenturen, bringen selber Ideen und Inhalte ein und gestalten das jeweilige Druckwerk in eigener Regie. Ulenspiegel druckt es und gemeinsam wird es distribuiert. 

Thematisch geht es natürlich um Umweltschutz und Ethik, im weiteren Sinne. Bewerben kann sich jeder, der dieses affine Network mag, kreativ ist und diese spezielle Reichweite für sich nutzen möchte. Die Druckfrisch-Folder können online als PDF betrachtet oder heruntergeladen werden.

By the way: Auch 2019 ist das Unternehmen mit EMAS validiert worden.

Die 12. Umwelterklärung. Was für ein Aufwand!

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Jürgen Zietlow

Jürgen Zietlow

Autor, Blogger, Fachtexter

Autor, Fachjournalist und Blogger | 2005 bis 2017 Chefredakteur vom Druckmagazin MEDIEN | seit 2010 Unternehmensberater für Content-Marketing- und Media-Strategien | Entwickler der Content-Strategie- und Prozessmethode LineCore, ein System zur crossmedialen Distribution von Inhalten.

Fokus

Two Sides
Ein nach wie vor kontrovers diskutiertes Thema ist die Umweltgerechtigkeit von Papier. Two Sides klärt die Öffentlichkeit mittels Studien und Fakten auf. Ein Interview mit Managing Partnerin bei Two Sides, Anne-Katrin Kohlmorgen.
Klimakiller Internet:
Digitale Medien, so dachten bislang viele, sind grundsätzlich umweltfreundlicher als gedruckte. Der Umweltexperte Guido Rochus Schmidt hat recherchiert und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
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