Ökologie und Nachhaltigkeit
Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie!

​Die Endzeitfantasien, die sich in mannigfacher Weise durch die jüngere Geschichte der Menschheit zogen, haben sich nie bewahrheitet. Zwar wurden Wälder in Wüsten verwandelt, Populationen auf allen Kontinenten ausgerottet und Lebensräume dauerhaft unbewohnbar gemacht, aber das schien den Lauf des menschlichen Daseins kaum merklich zu beeinflussen. Der Planet Erde war geduldig. Und diese Geduld verhinderte bis in die jüngste Zeit, dass sich Menschen über ihr zerstörerisches Tun Gedanken machen mussten.

von Guido R. Schmidt | Dezember 2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Time to Change, Bild von Gerd Altmann, Bildquelle Pixabay
Time to Change, Bild von Gerd Altmann, Bildquelle Pixabay

Auch heute, nachdem die Welt die drei heißesten Jahre in Folge seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt hat, bleiben wir gelassen, freuen uns über Sommer, die es so in Mitteleuropa in den letzten hundert Jahren nicht gegeben hat. Auch wenn die Pegelstände der Flüsse ständig zurückgehen, Seen allmählich verlanden, Überschwemmungen Existenzen und Regionen zerstören, Dürrekatastrophen zunehmen, während Ernteerträge abnehmen – wir trotzen den Unkenrufen der Natur. Noch sind die Regale in den Supermärkten gut gefüllt, und gegen Sonnenbrand gibt es ja Mittel.

Dass Klimaforscher seit Jahrzehnten vor einer bald nicht mehr reversiblen Erderhitzung warnen, wird von vielen mit einem gewissen Unwillen zur Kenntnis genommen, oder gleich in den Bereich von Endzeitfantastereien verwiesen. Und obwohl die wissenschaftlichen Vorhersagen immer häufiger und schneller von der Realität eingeholt werden, weigern wir uns, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, denn das würde bedeuten, auf viele gewohnte Lebensqualitäten zu verzichten.

Doch der Klimawandel rückt immer näher

Schon vor unserer eigenen Haustür wird es immer augenfälliger, was die Stunde geschlagen hat. In den kommenden fünf bis zehn Jahren werden über 80 Prozent aller Alpengletscher verschwunden sein, vorausgesetzt die Erderhitzung kann tatsächlich noch auf 1,5 Grad begrenzt werden. Wird sie das nicht, kann man in naher Zukunft Gletscher nur noch auf alten Fotografien bewundern. Noch im Jahr 2003 hatten die Gletscher der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, eine Eisstärke von 15 Metern und bedeckten das gesamte Massiv. Achtzehn Jahre später ist das Eis der Zugspitzgletscher auf eine Stärke von gerade noch 1,5 Meter (Tendenz fallend) und ihre Fläche auf die Größe einiger Fußballfelder zusammengeschrumpft.

Nur ein Beispiel unter vielen, das verdeutlicht, dass die Zeiger der Uhr schon auf fünf Minuten nach zwölf stehen und viele Schäden faktisch nicht mehr aufzuhalten sind. Aber sollen wir das einfach hinnehmen und den Kopf in den Sand stecken mit der Begründung:

„Es ist ja eh alles wurscht!“

Nein, denn genau das wäre die falscheste aller Schlussfolgerungen. Auch wenn die 17 Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wahrscheinlich in zehn Jahren noch nicht zufriedenstellend umgesetzt sein können, auch wenn ein klimaneutrales Europa bis zum Jahr 2050 möglicherweise eine schöne Illusion bleibt, selbst wenn die autokratischen Brandstifter Brasiliens, Russlands und Chinas weiterhin ihre Länder zum dauerhaften Schaden des gesamten Globus verwüsten – all das sind keine Gründe, nichts zu tun.

Go Green, Bild von Gerd Altmann, Bildquelle Pixabay

Nachhaltigkeit und Klimaneutralität sind mehr als politische Statements. Sie müssen so oder so umgesetzt werden. Und sie werden es, denn egal, wie der Zustand unserer Erde in 20, 30 oder 50 Jahren sein wird – wir haben nur diese eine. Und selbst wenn heute viele Anstrengungen, sie lebenswert zu erhalten, scheitern oder oft nicht vom sofortigen großen Erfolg gekrönt sind:

Die Allianz der Guten existiert, und sie wächst trotz vieler Niederlagen stetig an. Denn es gibt sie: Die Einzelnen, die Vielen, die Unternehmen, die Kommunen, die Länder, die begriffen haben, dass das Große zuerst im Kleinen reift, dass Maßnahmen für qualifizierten nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz nicht der Debatte über Sinn oder Unsinn dienen, sondern dass sie hier und heute ergriffen werden müssen.

UmDEX-Druckereien sind die Avantgarde der Branche

Auf UmDEX werden Möglichkeiten und Grundlagen unternehmerischer Klimaschutzinitiativen und nachhaltiger betrieblicher Umweltschutzleistungen gezeigt, zu denen sich nachhaltig zertifizierte Unternehmen der grafischen Industrie aus der D-A-CH-Region, wie die UmDEX-Partner-Druckereien, bekennen und die sie seit Jahren und Jahrzehnten erfolgreich umsetzen. Diese Unternehmen sind Überzeugungstäter im besten Sinne, denn sie leben die Ethik des sozialen, ökologischen Gleichgewichts und der zukunftsorientierten Nachhaltigkeit. Sie denken in globalen Dimensionen über das eigene Dasein hinaus, und darum handeln sie hier und heute lokal nachhaltig. Für diese Unternehmen sind Erfolg und Scheitern keine Frage des Für und Wider ihres Tuns, sondern lediglich zwei Seiten derselben Medaille.

Für diese Druckunternehmen stehen ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichrangig im Zentrum ihres unternehmerischen Wirkens. Kunden erhalten dort schon seit vielen Jahren qualitativ hochwertige Printprodukte und -lösungen mit zertifizierter Nachhaltigkeitsgarantie.

Ihre Umweltleistungen erkennt man an zertifizierten Umweltmanagementsystemen wie EMAS, ISO 14001, ISO 50001, zertifizierte Druckprodukt-Labels wie Blauer Engel DE-UZ 195 oder EU Eco- Label 053, die sie in ihren Unternehmen eingeführt haben und die periodisch von unabhängigen Gutachtern überprüft werden.

Leider trifft bei genauerer Betrachtung das Prädikat nachhaltig zertifizierter Umweltdruckereien im deutschsprachigen Raum gerade einmal auf 43 Unternehmen zu. Mag sein, dass diese geringe Zahl an Unternehmen für viele verantwortungsbewusste Interessenten und Printbuyer noch nicht ausreicht, aber sie wird wachsen!

Denn auch wenn es sein mag, dass wir alle, die wir uns für nachhaltigen Klima- und Umweltschutz einsetzen, vielleicht keine Chance haben, die Erde zu retten – gerade deshalb sollten wir sie nutzen!

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Guido Rochus Schmidt

Guido Rochus Schmidt

Umweltexperte u. Autor

Guido Rochus Schmidt war von 1979 bis 2013 Geschäftsführer der Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG, die 1999 als erste Druckerei Bayerns das EMAS-Zertifikat der Europäischen Union erhielt. Als Umweltexperte betreute er von 1999 bis 2017 die ökologische Fortentwicklung des Unternehmens. Seit 2017 berät der Experte Unternehmen bei allen Fragen der Nachhaltigen Medienproduktion.

Fokus-Slider f. alle Bereiche
Zertifizierungsberatung bei Print
Warum kommt die nachhaltige Transformation in der Druckbranche, verglichen mit anderen Branchen, derzeit noch langsamer voran? Und wie (be)rechnet sich Nachhaltigkeit? Das und mehr haben wir mit dem Consultingteam der Umweltdruck Berlin GmbH diskutiert.

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