Gegenwart und Zukunft von Papier
Teil 2: Nachhaltigkeit bei Herstellern und Großhändlern von Papier

Die globale und europäische Papierwirtschaft ist so innovativ und umweltfreundlich wie nie zuvor. Es kribbelt und krabbelt im Papierbusiness – inmitten der Digitalisierung. Wir haben recherchiert und gestaunt.

Umweltfreundliches Papier
Beitragsbild: Welt aus Papier, produziert von einer mittlerweile sehr nachhaltigen Industrie, mittlerweile sogar als Alternative zu digitalen Medien: Bild von Yuri_B auf Pixabay.

Umwelt und Soziales in der Papierindustrie:
A) Papierproduzenten

Der Blick im ersten Teils dieses Fachbeitrags auf die wichtigen Player im europäischen und globalen Papierbusiness zeigt eine zunehmend offensive, und verifizierbar umweltgerechte Orientierung. Fast sämtliche Produzenten sind FSC- und/oder PEFC-zertifiziert, validiert nach der Norm für Umweltmanagement DIN EN ISO 14001 oder 50001 (Umwelt- und Energiemanagement), nach EMAS etc. und auch sonst bei den Themen Umweltschutz und Soziales mittlerweile ehrgeiziger als allgemein immer noch für die Papierindustrie angenommen wird.

Von der Defensive in die Umwelt-Offensive

Die Bemühungen der Papierindustrie in puncto Umweltschutz wurden zum großen Teil auch durch die zunehmend sensibilisierte Nachfrage vorangetrieben: Themen rund um den Klimawandel sind in aller Munde: Städte und Länder verkündeten Klimanotstände und verhängten Fahrverbote. 2019 wurde das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung verabschiedet, das an die Agenda 2030 der UN (17 Goals) anlehnt.

Es gab allein in den vergangenen zehn Jahren teils markante Hitze-Rekorde. 2018 und 2019 entwickelten sich die größten Waldbrände der Menschheitsgeschichte: in Russland, den USA, in Kanada, in der Amazonas-Region und sogar in direkter Umgebung des Nordpols.

Verbraucher wurden zusätzlich durch globale Bewegungen wie Fridays for Future sensibilisiert. Die Papier- und Druckindustrie wirkte noch vor wenigen Jahren in puncto Umweltschutz eher getrieben – vor allem um das Image von Papier besorgt, weniger um den Klimawandel.

Die Papierindustrie agiert mittlerweile selbstbewusst und offensiv

Viele Papierhersteller engagieren sich sogar deutlich stärker als gesetzlich vorgeschrieben ist oder bei Ausschreibungen z. B. für Drucksachen ohnehin schon standardmäßig gefordert wird: etwa die Beschaffung von Rohstoffen aus zertifizierter Waldwirtschaft (FSC, PEFC). Die folgenden Beispiele vermitteln einen nicht vollständigen, aber anschaulichen Eindruck, mit welcher Leidenschaft die Branche heute im Beriech Umwelt und Soziales aktiv ist.

*Arjowiggins ist zurück, so nachhaltig wie eh und je

Nach der Insolvenz ist es dem Papierhersteller im Herbst 2019 durch einen Management-Buy-out gelungen, viele Hundert Arbeitsplätze in allen Werken zu erhalten – das teilte der strategische Partner, der Papiergroßhändler Antalis mit. Sämtliche Papiersortimente (Papier-, Karton- und Umschlagsqualitäten), werden weiterhin bei Antalis angeboten.

Das Angebot nachhaltiger Papiere umfasst mehr als einhundert recycelte Varianten, aus 25 bis 100 Prozent Postconsumer-Abfällen – von glatten, texturierten oder beschichteten weißen Qualitäten bis hin zu farbigen Pappen. Arjowiggins-Papiere sind sowohl von der FSC als auch vom European Climate Forum zertifiziert. Zudem verarbeitet Arjowiggins auch alternative Materialien, u. a. Abfallprodukte oder auch schnell wachsende, erneuerbare Bambusfasern.

Der Papiergrößhändler Antalis präsentiert in seinem Paperbook 2019-2021 sämtliche Kollektionen, wie z. B. die Sorten Conqueror, Curious oder Keaykolour. Ein persönliches Exemplar kann über die E-Mail-Adresse: creative-power@antalis.com angefragt werden. Oder sprechen Sie mit dem Druckdienstleister Ihrer Wahl über ein zu Ihrem Auftrag passendes AW-Substrat.

*UPM Biofore: Verantwortung als Grundvoraussetzung

Schon seit 2009 arbeitet der Papierproduzent an einer neuen Positionierung als Bio- und industrielles Forstunternehmen. Alle Produkte, so auch Papier, sollen aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt und wiederverwertet werden. Der Konzern ist weltweit der größte Verarbeiter von Altpapier für die Herstellung grafischer Papiere. Alle Zellstoff- und Papierfabriken von UPM verfügen über ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 und sind darüber hinaus EMAS-validiert. Das Unternehmen bezeichnet sich als Biofore-Company und zeigt Beispiele der sog. Bioökonomie auf seiner Website.

*Papierfabrik Palm: Material von gestern für Zeitungen von morgen

Palm ist einer der führenden Hersteller von Zeitungsdruck- und Wellpappenrohpapieren aus 100 Prozent ausgesuchtem Altpapier, das in umweltschonenden Verfahren hergestellt wird. Der Papierproduzent ist hochwertig zertifiziert, u. a. mit DIN ISO 14001 und 50001 (Umwelt- und Energiemanagement), FSC, PEFC sowie dem EU Ecolabel. Palm Recycling schließt Rohstoffkreisläufe durch Bezug von Altpapier durch Kooperationen mit der kommunalen und gewerblichen Abfallwirtschaft sowie aus Handel, Gewerbe und Industrie und präsentiert seine Umweltleistungen zusammenfassend auf einer speziellen Landingpage.

*Steinbeis Papier: Nachhaltigkeit als zentraler Wert für die Industrie der Zukunft

Der Papierproduzent zeigt sich besonders kommunikativ und kundennah. Im Blog spricht das Unternehmen über Umweltschutz, Gesellschaft und Verantwortung: u. a. spricht Veronika Warmers, Marketingleiterin der Steinbeis Papier GmbH, sehr offen über die Besonderheiten des Herstellungsprozesses von Recyclingpapier, Trends und die Zukunftsperspektiven der Branche. Das Unternehmen ist u. a. mit den Labels Blauer Engel und EU-Ecolabel zertifiziert. Im Blog findet sich u. a. ein Beitrag über das Fachmagazin Wohllebens Welt, herausgeben vom bekannten Umwelt- und Waldschützer Peter Wohlleben: gedruckt auf dem Steinbeis-Papier Charisma Silk, ein Papier mit dem Umweltzeichen Blauer Engel RAL UZ 72 und dem EU-Ecolabel.

*Koehler Paper-Group: Ohne Ökologie keine Ökonomie

Ein weiterer Papierproduzent, der den Wandel der Papierindustrie greifbar macht: In seinem lebendigen Blog gewinnt das Unternehmen Sympathiepunkte durch authentische Storys. Dort geht es immer wieder um Menschen und Mitarbeiter: Auszubildenden der Koehler Paper Group produzieren für einen guten Zweck 691 Liter Bio-Apfelsaft, Mitarbeiter werden für langjährige Treue geehrt. Wir fanden einen Beitrag über die Prämierung von insgesamt 855 Ideen und Verbesserungsvorschlägen aus der Belegschaft, die 2018 mit 69.656 Euro dafür belohnt wurde. Mensch und Umwelt: Die Absichten sind authentisch.

Sämtliche Recyclingpapiere von Koehler sind mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet. Das Unternehmen ist nach DIN ISO 14001 und 50001 (Umwelt- und Energiemanagement) sowie u. a. auch mit den nach FSC und PEFC zertifiziert. Nachhaltige Papiere können Druckereien, aber auch Printbuyer über den praktischen Produktfinder vorselektieren.

Dazu passt, dass das Unternehmen den Gold-Status von der international anerkannten Nachhaltigkeits-Bewertungsplattform EcoVadis für ihre Corporate Social Responsibility (CSR), erhalten hat und damit zu den besten von 35.000 bewerteten Unternehmen weltweit zählt.

Viel mehr Neues aus der Papierindustrie

Schon diese Beispiele aus der Branche zeigen die Lebendigkeit der Papierindustrie. Fakten, die Medienproduktionern bzw. Drucksacheneinkäufern häufig nicht bekannt sind.

Zu den eher weniger bekannten Fakten zählt u. a. auch, dass viele Papierproduzenten teils riesige Waldflächen besitzen. Nehmen wir den schwedische Forstbetreiber Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA), der 2007 die Marke Tempo gekauft hat (mittlerweile Essity) und dafür die eigene Taschentuchmarke Softis gemäß dem Kartellamt veräußern musste: Das Unternehmen besitzt 2,6 Millionen Hektar Wald (beinahe die Fläche Belgiens) und ist damit der größter Waldbesitzer in Europa.

Die Welt der Papierwunder:
B) Papiergroßhändler

So nachhaltig und engagiert wie die Papierproduzenten sind auch die Großhändler und Druckdienstleister. Mit Blick auf den Papierhandel in Deutschland ist der Markt, abgesehen von sehr speziellen Händlern, übersichtlich: Im Wesentlichen ist der Markt mit Marktanteilen von jeweils circa 40 Prozent Marktanteil von zwei Großhändlern geprägt:

  • Die portugiesische Inapa-Gruppe, in Deutschland vertreten durch die Papier Union – eine Gruppe, die 2019 zudem die Papyrus Deutschland GmbH & Co. KG übernommen hat, bis 2010 Schneidersöhne Deutschland GmbH & Co. KG.
  • Die IGEPA group GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg, zu der über 20 internationale und acht deutsche Unternehmen, u. a. Hansa Papier (Hansa GmbH & Co. KG), gehören.

Weitere, kleinere, sehr innovative Papierhändler sind u.a.: Antalis, Berberich, Kreuser, Römerturm, GMUND, Hahnemühle und so weiter.

*IGEPA: Veganes Papier, mit offiziellem V-Label-Zertifikat

Der Papiergroßhändler IGEPA-Group bietet mit Papiersorten wie Profisilk, Profimatt, Profibulk 1.1 und Magno Natural aus den Sappi-Produktionsstandorten Stockstadt und Ehingen erstmals sogar offiziell zertifiziertes veganes Papier an, neben einem umfangreichen Sortiment von Recyclingpapieren. Das V-Label ist eine international anerkannte und geschützte Marke zur Kennzeichnung vegetarischer und veganer Produkte. Mit dem V-Label werden erst seit Januar 2019 auch Non-Food Produkte, so auch Papier, ausgezeichnet – das macht Sinn, denn schließlich werden sämtliche vegane Produkte auch verpackt. Das V-Label schafft damit zunehmend auch mehr Transparenz in der Druck- und Medienbranche.

Die Sappi Austria Produktions-GmbH & Co. KG (Standort Gratkorn) trägt zu einer ökologischen Wärmeversorgung in Graz bei. Durch eine entsprechende Kooperation von Sappi Gratkorn, Energie Graz sowie Bioenergie wird es in rund 30.000 Grazer Haushalte in den kommenden 20 Jahren warm.

*Antalis GmbH: Green-Star-System für nachhaltige Papiere

Auch Antalis hat verstanden, dass seine Kunden immer umweltbewusster nachfragen. Das Unternehmen teilt seine umweltschonenden Sortimente in fünf Gruppen auf:

  • Das Sortiment Cocoon besteht aus 100 Prozent recyceltem Papier und lt. Antalis ein Beststeller.
  • Das Naturpapier Olin sind neue fein recycelte FSC®-zertifizierte Papiere aus der Keaykolour Kreativpapierfamilie und enthalten zwischen 30 und 100 Prozent PCW (Post-consumer-Abfälle).
  • Das ReKreate-Sortiment der Marke Keaykolour ist ein neues hoch recyceltes Produkt, in dem Fasern wiederverwendet werden, die normalerweise im Recycling-Prozess verloren gehen würden.
  • Digigreen, eines der neusten Produkte, wird aus Recycling- und Primärfasern hergestellt und hält die strengsten Umweltvorschriften ein und besitzt zudem das FSC®-Zertifikat und das Umweltzeichen der EU. Für den Digitaldruck ist es nach dem Hersteller das erste 100 Prozent grüne Papier auf dem Markt.
  • Im Verpackungsbereich wirbt das Unternehmen zum Beispiel mit Flo Pack Green. Diese Wabenpappen werden aus vollständig recyceltem Material hergestellt.

Damit Kunden nachhaltige Produkte unkompliziert identifizieren können, hat der Papiergroßhändler das Bewertungssystem Green Star entwickelt.

*Berberich und der VIVUS-Musterfächer für nachhaltige Marken

Für das Unternehmen steht die Auswahl seiner eigenen Lieferanten und Papierhersteller im Fokus. Konkret werden nur Produkte von qualitäts- und umweltbewussten Papiererzeugern gelistet, deren Fabriken entsprechende Zertifizierungen nachweisen können.

Unter der Marke VIVUS hat der Großhändler nachhaltig produzierte Produkte zusammengefasst, die mit verschiedenen Umweltlabels wie Blauer Engel, FSC, CO2-neutral oder EU Ecolabel ausgezeichnet sind. Um die Sortimente begreifbar zu machen, hat Berberich einen Musterfächer entwickelt, der sämtliche umweltschonende Sorten beinhaltet, den Interessierte kostenfrei bestellen können.

*Römerturm zeigt nachhaltige Anwendungsbeispiele

Auch im Römerturm-Sortiment haben wir diverse FSC- bzw. PEFC-zertifizierte Feinpapiere in den verschiedensten Farben und Oberflächen entdeckt. Das Unternehmen ist solide zertifiziert. Interessant für Medienproduktioner sind die Anwendungsbeispiele mit weitestgehend nachhaltigen Feinpapieren, die das Unternehmen in Kooperation mit Kreativagenturen in auf seiner Website vorstellt. Der sogenannte Römerturm Umwelt-Blog ist in diesem Fall ein gedruckter Blog, in dem Interessierte eine Auswahl umweltfreundlichen Papiere finden und der kostenfrei bestellt werden kann.

*Diverse kleinere, innovative Papiermühlen

Die Büttenpapierfabrik Gmund GmbH & Co. KG aus Gmund am Tegernsee, hat sich auf teils exotische und hochwertige Papiersorten spezialisiert. Das Sortiment reicht von edelsten Büttenpapieren bis hin zum wasser- und fettabweisenden sowie reißfesten Steinpapier und u. a. aus Hopfen hergestelltes Bierpapier. GMUND besteht seit 190 Jahren und präsentiert ein großes Sortiment an Papieren auch in den eigenen Papier-Shops im Einzelhandel. Kleine Bedarfe an speziellen und nachhaltigen Papieren können im Internet bei spezialisierten Händlern wie z. B. bei Papierdirekt geordert werden.

*CREAPAPER als Gras-Partner für die Papierindustrie

Das Unternehmen Creapaper GmbH aus Hennef steht als kleiner Player Modell für die Innovationskraft der deutschen Papierindustrie:  GRASPAP® ist ein Pellet, aus dem der Rohstoff Gras von heimischen Wiesen gewonnen und über ein lokales Versorgungskonzept umweltschonend an Papierfabriken geliefert wird. Besonders als Frischfaserersatz kann Graspapier demnach seine ökonomischen Vorteile ausspielen, denn es soll bis zu 40 Prozent günstiger sein als Frischfasern aus Holz. Das Gras wird auf Ausgleichsflächen geerntet, die beim Bau von Straßen oder Häusern als Grünausgleich angelegt werden, kommen demnach also nicht als Tierfutter in Frage.

Das Material kann einer regulären Papierfertigung beigemischt werden und minimiert damit den Verbrauch von Frischfasern, z. B. aus Holz und ist zudem recyclebar. Nach Angaben des Herstellers lassen sich etwa 90 Prozent aller Papierprodukte aus Graspapierbeimischungen herstellen. Die Forschung wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt. Dem Unternehmen wurde im Jahr 2017 der Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt (IKU) verliehen.

Innovationstausch und Begeisterung quer durch die Wertschöpfungskette

Einige Druckereien schwören auf Papierproduzenten wie Arjowiggins oder Koehler, andere setzen auf Graspapier, zum Beispiel die e.kurz+co Druck- und Medientechnik GmbH aus Stuttgart. Das Unternehmen hat eigenes eine Website www.diegrasdruckerei inszeniert, und bietet dort nur Drucksachen aus Graspapier an. Geschäftsführer Matthias Durst hat sich durch sein Engagement bei Instagram zu einem der ersten Druckerei-Influencer für nachhaltige Medien gemausert und fast 3.000 Follower gewonnen, die sich interessiert an der dortigen Kommunikation beteiligen.

Papier und Digital: Faktencheck Umwelt

Trotz des Engagements im Umweltschutz vieler Papierproduzenten und -großhändler, fragen sich Verantwortliche im Marketing, wie der CO2-Fußabdruck analoger Medien grundsätzlich gegenüber digitalen Alternativen ausfällt. Ein genereller Wechsel von Print zu digitalen Alternativen ist häufig keine Option, denn

Papier ist in verschiedenen Szenarien im Marketing,
z. B. bei der Direktwerbung, häufiger de facto wirkungsvoller

CO2-Reduktion Print und Papier

Viele Medienproduktioner vermuten tendenziell nach wie vor eher, dass digitale Medien umweltfreundlicher sind. Das ist ein Mythos, wie schon einige Argumente im Faktencheck zeigen:

  • Die gesamte, globale Wertschöpfungskette Papier- und Printmedien ist nach Angaben des World Ressouces Institute nur für nur ein Prozent der globalen Treibhausemissionen verantwortlich –
  • abzüglich des Anteils für ohnehin alternativlose Hygiene- und Verpackungspapiere daran, also nur mit Blick auf Papiervolumen für Kommunikations- und Werbemittel, reduziert sich der Anteil auf etwa 0,4 Prozent.
  • In Sachen Wiederverwertbarkeit gehört die Papierindustrie zu den Vorreitern in der Industrie. Über 70 Prozent aller Papierprodukte sind aus Altpapier. Damit sind Zeitungen, Zeitschriften und Papierabfälle der wichtigste Rohstoff der Papierindustrie.
  • Agenturen und Kreative können im Gegensatz zu digitalen Mediennutzung sehr viel zu einem umweltgerechten Druckwerk beitragen: Zum Beispiel durch platzsparende Designs oder die Wahl der richtigen Papiersorten.
  • Die Wirkung von Papier als Mittel der Kommunikation potenziert sich durch raffinierte Personalisierungen oder mittels datengesteuerter Individualisierungen (bedarfsgerechte Zustellung von Werbung). So können Streuverluste, also die Druckauflagen reduziert werden.
  • Besonders die gezielte Wahl einer hochwertig nachhaltig zertifizierten Druckerei (vgl. UmDEX/print) wirkt sich sehr positiv auf den CO2-Fußabdruck analoger Medien aus.
  • Durch moderne Digitaldruck-Technologien können Drucksachen mittlerweile auch in kleinen und Kleinstauflagen wirtschaftlich hergestellt und bedarfsgerecht nachgedruckt werden.

CO2-Fußabdruck digitale Medien

Bei der Nutzung digitaler Medien ist der Handlungsspielraum in puncto Vermeiden, reduzieren oder kompensieren (ausgleichen) oder bei der Wahl eines nachhaltigen Produzenten deutlich eingeschränkter: Einkäufer haben so gut wie keinen Einfluss auf die Produktion zum Beispiel von Smartphones oder wie verbrauchte Geräte entsorgt bzw. recycelt werden. Der CO2-Fußabdruck ist bei der Nutzung digitaler Medien nicht grundsätzlich umweltfreundlicher als bei der Verwendung von Papier. Beispiele:

  • Der Energiehunger des Internets hat sich seit dem Jahr 2000 alle fünf Jahre fast verdoppelt.
  • Der jährliche CO2-Ausstoß des weltweiten Internets ist heute so groß wie der des globalen Flugverkehrs.
  • In Deutschland werden etwa zehn Prozent des jährlichen Stromverbrauchs (64 Millionen Kilowattstunden) im Bereich der Digitalisierung verbraucht.
  • Der Energieverbrauch beim Versenden einer E-Mail an 20 Empfänger, mit einem 400 kB großen Anhang, entspricht etwa der Nutzungsdauer einer 20 Watt-Energiesparlampe von 1:40 Stunden.
  • Hundert Suchen bei der Suchmaschine Google verbrauchen etwa die Energie, die für das Bügeln eines T-Shirts benötigt wird.
  • Insgesamt ist nicht nur der Stromverbrauch eines kleinen Geräts selbst zu berücksichtigt, sondern auch der Energiebedarf bei seiner Produktion und Entsorgung.
  • Zudem geriet die Förderung von Lithium und von anderen seltenen Erden in die Kritik, nicht zuletzt wegen der teilweise kritischen sozialen Umstände in gewissen Fördergebieten sowie den Auswirkungen beim Abbau für die Umwelt.
  • Die Entsorgung elektronischer Geräte wirkt sich ebenfalls negativ auf den CO2-Fußabdruck digitaler Medien aus.
  • Das Marktforschungsinstitut de GmbH hat ermittelt, dass 29,4 Prozent der Verbraucher alle drei Jahre, 25,2 Prozent sogar alle zwei Jahre und 18 Prozent alle vier Jahre ein neues Smartphone kaufen.
  • Damit sind die Verbrauchs-Zyklen geringer als z. B. für Bücher, Sammelwerke, ggf. Notizbücher usw. und verkürzen sich statisch gesehen immer weiter. PCs werden nach drei Jahren abgeschrieben und sind selten länger als 5 Jahre im Mittel im Einsatz.
  • Verglichen mit Print ist die Umweltbilanz mit Blick auf zumeist einen einzigen Nutzer je digitalem Gerät nicht so günstig wie häufig erwartet.
  • Elektro- und Elektronikabfall sind häufig sogar Sondermüll.
  • Dazu addiert sich der Energiebedarf für Internetdienstanbieter, Datenzentren, Serverfarmen sowie Streaming- und Cloud-Dienstleister.

Eine Studie des französischen Think-Tanks The Shift Project zeigt, dass der Digitalsektor tatsächlich für einen stark wachsenden Anteil der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich ist. Solche Studien betonen den Irrtum, dass die zunehmende Digitalisierung des Lebens- und Arbeitsbereichs auf, Zitat:

„… irgendeine Weise gut für die Umwelt ist, nur weil weniger physische Güter produziert und konsumiert werden“.

Die Brancheninitiative der grafischen Industrie Two Sides ist angetreten, um Kunden und Konsumenten über Mythen und Fakten zum Thema Papier, auch im Vergleich zu digitalen Medien, sachlich aufzuklären. Wir sprachen kürzlich mit Anne-Katrin Kohlmorgen, Managing Partner von Two Sides, über die wertvolle Lobbyarbeit für den natürlichen, nachwachsenden Rohstoff Papier.

Labels und Zertifikate der Druckindustrie

Printbuyer können Druckereien relativ einfach an wenigen hochwertigen, verifizierbaren Zertifikaten und Umweltzeichen identifizieren, die teils denen der Papierproduzenten entsprechen.

Der UmDEX/print trennt die Spreu vom Weizen im Label-Dschungel der Medienindustrie und garantiert die Wahl einer hochwertig, nachhaltig wirtschaftenden Druckerei. Das Meta-Label agiert unabhängig und faktenbasiert. Der Zugang ist nicht käuflich. Der Eintrag in die Tabelle und die Nutzung des Labels wird generell gewährt, soweit die dort erwähnten Top-Kriterien der Nachhaltigen Medienproduktion erfüllt werden.

Nachhaltige Druckdienstleister, Beispiele

In Deutschland sind von etwa 8.000 Druckereien nur etwa 100 bis 150 tatsächlich hochwertig und verifizierbar im Bereich Umweltschutz zertifiziert. Darunter findet sich eine Exzellenz-Gruppe von circa 40 nachhaltigen Druck- und Mediendienstleistern, für die Umweltschutz zum Markenkern zählt.

Ein wesentliches Merkmal umweltfreundlicher Druckereien ist eine weitestgehend eigene Produktion,

Printbuyer, die umweltfreundliche Drucksachen suchen, sind zunehmend sensibilisiert und verlangen konkrete Informationen über den Produktionsstandort.

Greenwashing ist nicht leicht zu erkennen. Im Fachbeitrag „Grün ist nicht gleich Grün“ erklärt der Experte für Nachhaltige Medienproduktion, Guido Rochus Schmidt, wie Printbuyer eine nachhaltige Druckerei verifizieren können. Der Umweltexperte hat fast 40 Jahren als Geschäftsführer und Umweltbeauftragter einer der nachhaltigsten Druckereien Deutschlands, Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG, gearbeitet und gilt als Koryphäe auf diesem Gebiet.

Beispiele von Exzellenzdruckereien, die den Ansprüchen des UmDEX/print genügen:

  • bonitasprint gmbh (Würzburg): Spezialisiert auf die umweltgerechte Produktion von raffinierten und hochwertigen Druckwerken, die auf höchstem Niveau umweltgerecht produziert werden.
  • DBM Druckhaus Berlin-Mitte GmbH (Berlin). Ein nachhaltiger Medienbetrieb, der u. a. als erste Druckerei in Deutschland mit dem hochwertigen Label Blauer Engel RAL UZ 195 (Produktzertifizierung, nicht nur Blauer Engel-Papier) zertifiziert wurde.
  • Druckstudio GmbH (Düsseldorf): Bereits vor 15 Jahren begonnen, seine Spezialisierung auf die Produktion von Highend Medien durch Umweltzertifizierungen auf höchstem Niveau zu flankieren.
  • Druckerei Janetschek GmbH (Heidenreichstein, Österreich): Mit ASRA ausgezeichnetem Umweltbericht, hochwertig zertifiziert. Beteiligt an kreativen, regionalen Umweltschutzmaßnahmen.
  • Druckerei Lokay e. K. (Reinheim): Produziert seit rund 20 Jahren umweltgerecht und ist gemäß des UmDEX-Print ebenfalls mit den hochwertigsten Umweltlabels validiert. Umbau Betriebsstätte auf umweltgerechte Produktion.
  • oeding print GmbH (Braunschweig): Das Unternehmen hat erst vor wenigen Jahren eine der modernsten und umweltfreundlichsten Produktionsstandorte in Deutschland neu errichtet und ist ebenfalls mit den hochwertigsten Zertifikaten ausgezeichnet.
  • Kern GmbH: Saarländischer, umweltgerechter Dienstleister mit breit gefächertem, zertifizierten Sortiment (Offset, Digital, Großformat) und ausgeprägtem sozialen Engagement.
  • Ulenspiegel Druck GmbH & Co. KG (Andechs): Zählt zu den ersten Druckereien in Deutschland, die mit dem hochwertigsten EU-Ökoaudit EMAS zertifiziert waren und agiert u. a. durch eine freiwillige Gemeinwohlökonomie-Zertifizierung durchweg überzeugend nachhaltig.

Daneben finden sich umweltfreundliche Druckereien, die sich auf bestimmte Segmente spezialisiert haben. Beispielsweise bietet der Spezialist für bedruckte Faltschachteln und Produktverpackungen, EGGER Druck + Medien GmbH, ein spezielles, nachhaltiges Materialsortiment für Verpackungen an. Darunter Verpackungsmaterialien bzw. Kartonagen aus Graspapier, aber auch aus Algenpapier, Milchpapier, Bierpapier und sogar Steinpapier.

Weitere Quellen

Spezielle, amtliche Informationen über das Thema Papier-Recycling stellt das Bundesumweltamt zur Verfügung. Printbuyer, die sicher gehen wollen, ob das verwendete Papier frei von illegalen Holzfasern ist, können eine Probe beim Thünen Institut für Holzforschung für etwa 400,00 Euro untersuchen lassen. Weitere, weitreichende Informationen über Papier hält die Initiative Pro Recycling der Nissen Consulting GmbH & Co. KG bereit, u. a. ein Nachhaltigkeitsrechner (Frisch- und Altpapier) oder den Papieratlas, mit Hinweisen zur Verwendungsquote von Altpapier seitens offizieller Stellen und Behörden. Die Initiative Media-Mundo (f:mp. e. V.) hält zudem weitreichende Informationen über Themen wie Papier und allgemein über Nachhaltige Medienproduktion bereit.

Der Blick auf diese für Deutschland bedeutenden Player in der Papierindustrie zeigt eine zunehmend offensive, und verifizierbare umweltfreundliche Ausrichtung. Fast sämtliche Produzenten sind FSC- und/oder PEFC-zertifiziert, validiert nach der Norm für Umweltmanagement DIN EN ISO 14001 oder 5001 (Umwelt- und Energiemanagement) etc. und auch sonst bei den Themen Umweltschutz und Soziales mittlerweile ehrgeiziger als allgemein für die Papierindustrie angenommen wird.

 

 

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Jürgen Zietlow

Jürgen Zietlow

Autor, Blogger, Fachtexter

Autor, Fachjournalist, Blogger, Umwelt-Lobbyist | 2005 bis 2017 Chefredakteur des Fachmagazins MEDIEN | seit 2010 Unternehmensberater für nachhaltige Kommunikation, Social Monitoring und Social Media | Entwickler der LineCore-Methode® (Recherche- und Redaktionssystem).

Fokus

Klimawandel in der Druckbranche
Der Klimawandel und seine dramatischen Folgen werden häufig kleingeredet – mit diesem Gedankengut werden oft die Wirkungen relativiert, die mit der qualifizierten Nachhaltigkeit einhergehen. Für die Druckbranche geht es dabei um ihren guten Ruf und das nachhaltige Image von Papier als Material aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen.
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