Dekarbonisierung
Bleiben Klima- und Umweltschutz auf der Agenda?
Donald Trump hat ein zentrales Regelwerk aus der Obama-Ära aufgehoben, durch welches die USA Treibhausgase regulierten. Er erklärte solche zentrale, auf der sogenannten Gefährdungsfeststellung von 2009 basierende Regelungen für ungültig, die Treibhausgase als gesundheitsschädlich einstufen. Auf dieser Feststellung fußen in den USA unter anderem die Grenzwerte für den Kohlendioxid-Ausstoß von Fahrzeugen sowie von Gas- und Kohlekraftwerken. Während die Republikaner jubeln, steht die Industrie vor vielen offenen Fragen.

Fossile Energieträger stehen Erneuerbaren in der wissenschaftlichen Betrachtung in allen Punkten nach. Der Weg der Dekarbonisierung von Industrien in Wirtschaftsräumen wie Deutschland, der EU, Indien oder China bleibt auf Basis belastbarer, wissenschaftlicher Daten trotz der Entscheidung des US-Präsidenten Trump die wirtschaftlich vernünftigste Option.
Fossile Energieträger stehen Erneuerbaren in der wissenschaftlichen Betrachtung in allen Punkten nach. Der Weg der Dekarbonisierung von Industrien in Wirtschaftsräumen wie Deutschland, der EU, Indien oder China bleibt auf Basis belastbarer, wissenschaftlicher Daten trotz der Entscheidung des US-Präsidenten Trump die wirtschaftlich vernünftigste Option.
Donald Trump hat alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass CO2 gesundheitsschädlich ist, für ungültig erklärt. Die bundesweiten Klimaregeln des Landes wurden quasi abgeschafft. Ein Vollzugsstopp, jedenfalls, solange Donald Trump Präsident ist. „Ideologische Hardliner ernten die Früchte ihrer jahrelangen Lobbyarbeit“, schreibt Susanne Götze in ihrem Newsletter auf Spiegel Online.
Berücksichtigt man zusätzlich Lobbying-Ausgaben und indirekte Werbekampagnen, beläuft sich die Summe, die die Branche investiert hat, um Trump und die Republikaner im Wahlzyklus 2024 zu unterstützen, auf insgesamt etwa 445 bis 450 Millionen US-Dollar.
In der öffentlichen Debatte wird aus dieser Richtung oft der Eindruck erweckt, Klimaschutz sei ein rein „ideologisches“ oder moralisches Projekt. Doch ein Blick auf die harten Daten von 2025/2026 zeigt, dass sich die Gewichte massiv verschoben haben. Die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Komponente ist heute oft das stärkere Argument als das ökologische. Das ist insbesondere auch an den Mehrjahresplänen von China und den wirtschaftlichen Strategien von Indien zu erkennen. Hier geht es um harte wirtschaftliche Erwägungen.
Was spricht für fossile, was für erneuerbare Energien? Eine wesentliche Frage, auch mit Blick auf grundlegende Mechanismen der nachhaltigen Transformation und die Orientierung von Unternehmen aus der grafischen Industrie.
1. Argumente für fossile Energieträger
- Auch wenn fossile Energien weltweit Marktanteile verlieren, gibt es technische und systemische Gründe, warum sie noch immer genutzt werden:
- Grundlastfähigkeit und Regelbarkeit: Fossile Kraftwerke (vornehmlich Gas) können innerhalb kurzer Zeit hoch- oder heruntergefahren werden. Sie bieten „gesicherte Leistung“, die unabhängig von Wetter und Tageszeit zur Verfügung steht.
- Energiedichte und Transport: Kohle, Öl und Gas haben eine extrem hohe Energiedichte. Sie lassen sich leicht lagern und über bestehende Infrastrukturen (Pipelines, Schiffe, Schienen) transportieren.
- Abgeschriebene Infrastruktur: Viele fossile Kraftwerke sind bereits gebaut und finanziell amortisiert. In der kurzen Frist ist es oft „billiger“, ein altes Kraftwerk weiterlaufen zu lassen, als ein komplett neues System aus Windrädern inklusive Netzausbau und Speichern aufzubauen.
- Industrielle Rohstoffbasis: Erdgas und Erdöl sind nicht nur Brennstoffe, sondern essenzielle Rohstoffe für die chemische Industrie (z. B. Düngemittel, Kunststoffe). Ein kompletter Ausstieg erfordert hier technologisch komplexe Alternativen wie grünen Wasserstoff.
2. Argumente für erneuerbare Energien
Hier stehen heute primär wirtschaftliche und strategische Faktoren im Vordergrund. Das ist ein elementares Argument für die Kräfte, die generell an der nachhaltigen Transformation zweifeln. Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der anthropogene Treibhauseffekt weltweiter, wissenschaftlicher Konsens ist. Dabei geht es nicht um den bevorstehenden Weltuntergang. Vielmehr verstärkt die Verbrennung von fossilen Energieträgern klimatische Veränderungen ganz erheblich. Die Folgen sind klimabedingte Migrationen, die Unbewohnbarkeit bestimmter Regionen und (lt. Statistiken der Münchener Rückversicherung) Kosten im Bereich hunderter Milliarden Euro für extreme Wetterereignisse.
Die nachhaltige Transformation und mit ihr die Dekarbonisierungsstrategien sind also auch ein Generationenvertrag, sie zahlen auf die Energie-Souveränität ein, auf Regionalisierungs- und Dezentralisierungseffekte und vieles mehr.
Druckdienstleister der UmDEX-Klasse wirtschaften und dienstleisten auf Basis solcher wesentlichen Grundsätze beim Umwelt- und Klimaschutz, auf Basis von belastbaren, weltweit anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Weitere Argumente sind:
- Kostenvorsprung (LCOE): Laut aktuellen Daten von IRENA und Fraunhofer ISE (2025/2026) sind Photovoltaik und Onshore-Windkraft heute weltweit die günstigsten Stromquellen. Die Stromgestehungskosten liegen oft deutlich unter denen von neuen Kohle- oder Gaskraftwerken, allerdings muss die Infrastruktur noch weiter ausgebaut werden, im Gegensatz zu der fossilen, die sich über mehr als ein Jahrhundert entwickeln konnte.
- Souveränität und Geopolitik: Wirtschaftsräume wie Deutschland und die EU bringen sich in eine unabhängige Position bei der Energieversorgung. Das geht nicht von heute auf morgen, lässt sich aber in einem Zeitkorridor von 20 Jahren abbilden.
- Erneuerbare Energien sind „Freiheitsenergien“ (Christian Lindner).
- Sie reduzieren die Abhängigkeit von Importen aus politisch instabilen oder autokratischen Staaten. Das spart der EU jährlich dreistellige Milliardenbeträge an Importkosten. Dieses Geld könnte in Subventionen für energieintensive Industrien umgeleitet werden.
- CO2-Bepreisung als Marktfaktor: In der EU ist der CO2-Preis (ETS) ein massiver Kostenfaktor für Fossile. Ab 2026 greifen verschärfte Marktmechanismen, die fossilen Strom künstlich, aber politisch gewollt verteuern, um Investitionen in Erneuerbare zu lenken.
- Dezentralisierung und Wertschöpfung: Bürgerenergieanlagen und regionale Windparks lassen die Gewinne vor Ort. Statt Kapital in exportierende Förderländer abfließen zu lassen, bleibt die Wertschöpfung in der eigenen Region.

Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) zum Bundeshaushalt 2024.
Das Diagramm visualisiert den Einzelplan 16 des Bundeshaushalts für das Jahr 2024. Bildquelle: CORRECTIV
3. Die Abwägung: Das „Systemkosten“-Dilemma
Der kritische Punkt in der Analyse ist nicht der Preis für die einzelne Kilowattstunde (da gewinnen die Erneuerbaren fast immer), sondern die Systemkosten.
Wenn man alle Faktoren – Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Technik und Umwelt – zusammenführt, ergibt sich folgendes Bild:
- Ökonomisch: Fossile Energien sind ein Auslaufmodell, da ihre Grenzkosten (Brennstoff + CO2) langfristig über den Gesamtkosten der Erneuerbaren liegen. Ein System, das auf „Gratis-Brennstoff“ (Wind/Sonne) basiert, ist betriebswirtschaftlich jedem System überlegen, das kontinuierlich teure Rohstoffe verbrennen muss.
- Strategisch: Die Souveränitätsfrage ist heute das schlagkräftigste Argument. Die Unabhängigkeit von globalen Lieferketten ist ein Sicherheitsgewinn, der weit über den Klimaschutz hinausgeht.
- Herausforderung: Der Sieg der Erneuerbaren ist kein Selbstläufer. Die massiven notwendigen Investitionen in Netze und Speicher (Schätzungen für Deutschland sprechen von bis zu 5 Billionen Euro bis 2049) sind die größte Hürde, wobei Neuinvestitionen in die zunehmend schwierige Förderung von Kohle, Gas und Öl, die Umweltschäden und andere Faktoren dagegenzurechnen sind.
Fazit
Der Klimaschutz ist heute zwar ein wichtiger Rahmen, aber die Wirtschaftlichkeit und die nationale Sicherheit sind die eigentlichen Motoren der Energiewende geworden. Wer heute auf fossile Energien setzt, geht kein ökologisches Wagnis ein, sondern vor allem ein finanzielles und sicherheitspolitisches Risiko.
Die nachhaltige Transformation nimmt auch andere, wichtige Themen ins Visier: Denken wir an global-soziale Komponenten, entlang der Sustainable Development Goals (SDG), mit Blick auf Infrastrukturprogramme faire Löhne und an einen fairen Handel zwischen den Wirtschaftszonen.
Es geht nicht nur um den Umweltschutz. Der European Industrial Green Deal fokussiert auch auf Verbesserungen beim Umweltschutz, der Biodiversität, dem Verbraucherschutz, wirkt gegen Korruption und muss als eine große, idealerweise globale Strategie verstanden werden.

Jürgen Zietlow
Datenanalyst, Fachjournalist, Unternehmensberater für nachhaltige Kommunikation

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