Blauer Engel: Dynamischer Umweltschutz
Warum der Blaue Engel Flügel verleiht!

Wie wäre der Sport ohne Spielregeln? Oder der Straßenverkehr ohne Straßenverkehrsordnung? Anstelle solcher Regeln würde das Recht des Stärkeren treten. Das erinnert uns an den neoliberalen Kapitalismus, der die Menschheit heute existenziell bedroht. Generell sind gemeinsame Spielregeln elementar, auch, um die Menschheit vor sich selbst zu schützen, denn die Gier ist meist stärker als die Vernunft.

von | Februar 2021 | Allgemein | 0 Kommentare

Blauer Engel für Druckereien
Der Blaue Engel UZ-195 ist ein spezielles Label für umweltgerechte Drucksachen und fasst viele Attribute für nachhaltige Druckwerke zusammen. Beitragsbild: Broschüre für die Kalenderproduktion der Druckerei Kern GmbH.
​Der Blaue Engel UZ-195 ist ein spezielles Label für umweltgerechte Drucksachen und fasst viele Attribute für nachhaltige Druckwerke zusammen. Beitragsbild: Broschüre für die Kalenderproduktion der Druckerei Kern GmbH.

Gestern erreichte unsere Redaktion eine Pressemeldung des Bundesverbandes Druck und Medien e. V. (bvdm). Es ging um einige weitere Novellen beim speziellen Blauen Engel für qualifiziert nachhaltige Drucksachen, die mit dem speziellen Label Blauer Engel DE-195 gelabelt werden können.

Generell, so der bvdm, würden mit dem Siegel Blauer Engel besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen gekennzeichnet. Im Jahr 2015 wurde der Kriterienkatalog für Druckerzeugnisse erstmals vom Umweltbundesamt aufgesetzt, der Druckereien und ihren Kunden ermöglicht, ein gesamtes Druckprodukt mit dem Blauen Engel auszuzeichnen und dies, wie erwähnt, auch optisch zu kommunizieren – durch Abbildung des Labels auf den jeweiligen Drucksachen.

Übrigens: Für Österreich gibt es das Österreichische Umweltabzeichen. Entsprechende Druckerzeugnisse wurden vom Papier bis zum fertigen Produkt umwelt- und gesundheitsschonend hergestellt. Im Wesentlichen ist es zwar anders strukturiert, gilt dort jedoch als Auszeichnung für nachhaltige Produkte, so auch für Drucksachen. 

Um Druckerzeugnisse mit dem Blauen Engel zu kennzeichnen, müssen Druckereien die Einhaltung diverser, strenger Kriterien gegenüber der Zertifizierungsstelle RAL gGmbH nachweisen. Dieser Kriterienkatalog wurde im Jahr 2020 nochmals verschärft.

Entsprechend gekennzeichnete Druckwerke dokumentieren, dass alle Zutaten der Drucksacken, etwa Druckfarben, Chemie und weitere Druckhilfsmittel kontrolliert nachhaltig sind. Auch wird auf die Recyclierbarkeit von Farben und Lacken im Recyclingprozess fokussiert und auf ein entsprechend plausibles Abfall- und Energiemanagementkonzept.

Blauer Engel: Haltung, Sinn und Zweck

Immer wieder wird über den Sinn oder Unsinn solcher Zertifizierungen diskutiert. Nicht selten befeuert von Unternehmen, die den zumeist personellen Aufwand bislang noch scheuen.

In der Tat müssen Druckereien, die sich entsprechend hochwertig zertifizieren lassen, eine große Liste von Aufgaben abarbeiten. Die Zertifizierung bedingt ein Umweltmanagementsystem. Professionell nachhaltige Druckereien sind zumeist zusätzlich mit den Umweltmanagementsystemen DIN ISO 14001 oder mit EMAS (Eco-Management and Audit Scheme, auch bekannt als EU-Öko-Audit oder Öko-Audit, von der Europäischen Union entwickelt) zertifiziert.

Der Sinn und Zweck der zertifizierten Nachhaltigkeit wird immer wieder einmal indirekt in Frage gestellt. Ein beliebtes, aber naives Argument ist zum Beispiel, dass die Reduzierung der Druckauflage durch spezielle Attribute wichtiger sei, als im schlimmsten Falle in Massen zu produzieren, dafür aber mit Labels wie dem Blauen Engel, womit solche Labels ad absurdum geführt würden.

Das ist nicht ganz unwahr, aber unlogisch, denn Printbuyer können das eine tun, ohne das andere zu lassen. Zertifizierungen wie der Blaue Engel wirken umso stärker, wenn die Kreativen und/oder Budgetentscheider schon in der Entstehungsphase im Sinne der Nachhaltigkeit ein Kreativkonzept entwickelt haben, zum Beispiel:

  • Wie Auflagen eingespart bzw. die Rücklaufquoten verbessert werden können, etwa durch Vermeidung von Streuverlusten, durch Personalisierungen, datenbasiertes Publishing oder nachhaltigere Veredelungen etc.
  • Wie sich Papier durch optimierte Formatierungen einsparen lässt.
  • Durch die Wahl der richtigen Materialien und Papiersorten.
  • Durch die Bestellung bei einer entsprechend hochwertig zertifizierten Druckerei.
  • Durch gezielte Beratung durch entsprechend beratungskompetente Experten bei entsprechenden Druckereien.

Jedes noch so intelligente, nachhaltige, kreative Konzept für Print egalisiert den Blauen Engel UZ-195 nicht etwa, sondern wird durch ihn gekrönt.

Die vier Alleinstellungen der Nachhaltigen Medienproduktion

Um zu verstehen, welche Bedeutung gerade die zertifizierte Nachhaltigkeit hat, genügt der Blick auf vier wesentlichen Bausteine (und Alleinstellungsmerkmale), die für professionelles Umweltmanagement stehen:

  1. Umweltdatenerfassung: Druckereien erfassen alle wesentlichen Umweltdaten entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette.
  2. Umweltbetriebsprüfung: Zertifizierte Druckereien werden auditiert bzw. die Angaben und Leistungen entsprechend jährlich revalidiert.
  3. Umweltberichterstattung: Verpflichtung zur Transparenz und Offenlegung der relevanten Umweltdaten des Unternehmens.
  4. Dynamischer Management-Prozess: Ständige Auseinandersetzung mit Optimierungspotenzialen im Umweltschutz, durch Energie-, Abfall- und Materialmanagement.

Der Blaue Engel kann doch fliegen!

Es ist schwer, hierbei eine Priorisierung festzulegen, denn alle Punkte sind elementar und beschreiben, wie agil und lebendig die nachhaltige Medienproduktion tatsächlich ist. Hier geht es also nicht um stupide, verstaubte Normen oder um starre Prozesse.

Systeme wie der Blaue Engel sind dynamische Normen, die laufend optimiert, modernisiert und angepasst werden. Ständig wird das Marktumfeld sondiert, etwa in Bezug auf:

  • Neue Maschinen oder Produktionsmöglichkeiten.
  • Generell neue Technologien, die adaptiert und mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit abgeglichen werden.
  • Neue Materialien, zum Beispiel Folien, Lacke, Chemie oder Druckfarben.
  • Die Kombination aus Materialien mit speziellen Produktionsverfahren.
  • Politische Vorgaben in der EU und Deutschland.
  • Anliegen aus der Druckbranche, in Bezug auf verschiedene Produktionsschwerpunkte (Rolle, Bogen etc.).

Novellen werden auch mit professionell nachhaltigen Druckereien, etwa denen der Umdex-Klasse, diskutiert und in einem kollaborativen Prozess umgesetzt. Manches kommt durch diesen Prozess sofort ins Rollen, andere Anpassungen brauchen mehr Zeit. Einige Entscheidungen gefallen nicht allen Druckereien, doch am Ende sind es ebendiese Spielregeln, die für sämtliche zertifizierte Unternehmen gleichermaßen gelten (sollten).

Um es nachhaltigen Druckereien zu erleichtern, ihre zusätzlichen Aufwände zu amortisieren, wird derzeit eine Kampagne, KSB, Kampagne Subventionspaket Blauer Engel vorbereitet. Aktuell initiiert vom UmDEX/Print, dem Fachverband Medienproduktion e. V., der Brancheninitiative Media Mundo und der Agentur für nachhaltige Medienproduktion Highendmedia GmbH, nebst künftig weiteren Trägern und Botschaftern.

Ohne Regeln herrscht Chaos

Gäbe es z. B. im Sport keine Regeln, wäre die Regel: Alles ist erlaubt. Einigen würde das vielleicht sogar gefallen, etwa wenn ein Stürmer der Fußball-Nationalelf den gegnerischen Torwart mit einem Knüppel aus dem Tor prügelt. Wo klare Regeln fehlen, tritt an deren Stelle das Prinzip des Stärkeren. Ein durchaus bekanntes Prinzip aus dem neoliberalen Globalismus der Wirtschaft, der die Menschheit in eine annähernd lebensbedrohliche Lage versetzt hat, die wir jetzt gemeinsam ausbaden müssen.

Für uns Drucksacheneinkäufer bringen Labels, bringt besonders auch das Label Blauer Engel UZ-195, Transparenz und Sicherheit mit sich. Wir können besser vergleichen und gewiss sein, dass bestmöglich nachhaltig produziert wird und sich entsprechende Druckereien zu einem fairen Wettbewerb bekennen, da sie die gemeinsamen Spielregeln akzeptieren. Auch garantiert diese Zertifizierung, dass sich die jeweiligen Druckereien generell laufend intensiv mit allen Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigen.

Der Aufwand ist enorm, aber er ist ohne Alternativen, um fairen Wettbewerb mit den Anforderungen des Umweltschutzes zu verbinden. Wie komplex dieser Prozess für Druckereien ist, wird anhand des Kriterienkataloges des Blauen Engels deutlich. Schon das Überfliegen der UZ-195er-Spielregeln gibt einen Eindruck davon, was Druckereien hier an personellem Aufwand schultern müssen. Nicht nur für Druckereien lohnt sich auch der Blick in Presseinformationen des bvdm zu den aktuellen Änderungen des Blauen Engel.

 

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Jürgen Zietlow

Jürgen Zietlow

Autor, Blogger, Fachtexter

Autor, Fachjournalist, Blogger, Umwelt-Lobbyist | 2005 bis 2017 Chefredakteur des Fachmagazins MEDIEN | seit 2010 Unternehmensberater für nachhaltige Kommunikation, Social Monitoring und Social Media | Entwickler der LineCore-Methode® (Recherche- und Redaktionssystem).

Fokus

Cradle to Cradle
Cradle to Cradle (C2C) bedeutet sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“. Es gilt als Ansatz für eine konsequente Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel, den Idealfall des Recyclings zu erreichen. Ob dies auch für Druckprodukte gilt, - darüber sprechen wir mit einem Vertreter der Deinking-Organisation INGEDE
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